Sonntag, 19. November 2017

Insolvenzverwalter will dreistelligen Millionenbetrag einfordern Google soll für Unister-Pleite bezahlen

Ehemalige Fluege.de-Werbung mit Reiner Calmund: Das Onlinereisebüro Unister zahlte Millionen an Google - möglicherweise auch Jahre nach der faktischen Insolvenz

Die Insolvenz des Leipziger Onlinereisebüros Unister ("Ab-in-den-Urlaub.de", "Fluege.de") holt den Internetriesen Google ein. Wie das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe (Erscheinungstermin: 28. April) berichtet, drohen dem US-Konzern Rückzahlungen in womöglich dreistelliger Millionenhöhe, weil Unister selbst dann noch teure Werbung über die Suchmaschine schaltete, als die Firma de facto längst pleite war.

Das entsprechende Geld wolle sich Insolvenzverwalter Lucas Flöther nun von Google zurückholen, um damit die Gläubiger zu entschädigen. "Da geht es sicherlich um einen zweistelligen, eher noch um einen dreistelligen Millionenbetrag", berichtet ein Insider.

Zahlungen ab 2015 möglicherweise anfechtbar

Unister hatte im Juli vergangenen Jahres Insolvenzantrag gestellt - kurz zuvor war der Gründer und Chef Thomas Wagner bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.

Flöther hält die Causa Unister nach Informationen von manager magazin inzwischen für einen Fall krasser Insolvenzverschleppung. Womöglich waren die Sachsen faktisch schon Anfang 2015 insolvent, also rund anderthalb Jahre vor dem Konkursantrag.

Prinzipiell wäre damit jede Zahlung, die Unister im betreffenden Zeitraum geleistet hat, anfechtbar - zumal nur schwer vorstellbar ist, dass wichtige Geschäftspartner von den finanziellen Schwierigkeiten nichts mitbekommen haben.

Unister und Google Börsen-Chart zeigen waren eng miteinander verbandelt. Mehr als 100 Millionen Euro jährlich sollen die Sachsen zeitweise an die Amerikaner überwiesen haben, damit die eigenen Urlaubsportale immer weit oben auftauchten, wenn ein Google-Nutzer einschlägige Begriffe wie "Pauschalreise" oder "Last Minute" in die Suchmaske eintippte. Weder Flöther noch der US-Konzern wollten sich zu den Informationen äußern.

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