Dienstag, 23. Oktober 2018

Zukäufe für 500 Millionen Dollar Under Armour vergrößert sein Fitness-Imperium

Mit Zukäufen für rund 500 Millionen Dollar verstärkt Under Armour seine Angriffe auf Adidas und Nike. Der Sportartikel-Rambo gönnt sich zwei Fitness-Apps - mit deren Daten hat Unternehmenschef Kevin Plank viel vor.

Hamburg - 32 Prozent Umsatzwachstum im Gesamtjahr, 37 Prozent mehr Gewinn im vierten Quartal: Under Armour wächst massiv. In jedem der vergangenen 19 Quartale habe man den Nettoumsatz um mindestens 20 Prozent steigern können, sagte Unternehmenschef Kevin Plank am Mittwoch bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Damit diese Kurve auch in Zukunft steil nach oben zeigt, hat sich das Unternehmen mit zwei Fitness-Apps verstärkt.

475 Millionen Dollar zahlt Planks Unternehmen für "MyFitnessPal", eine Trainings- und Ernährungsplattform. Ihre etwa 80 Millionen Nutzer speichern mithilfe des Programms ihren täglichen Speiseplan - die App berechnet dabei die verspeisten Kalorien. Mithilfe von Tracking-Armbändern wie Fitbit oder Jawbone kann "MyFitnessPal" zudem körperliche Bewegung auswerten und anzeigen, wie viele Kalorien die Nutzer während einzelner Sport-Sessions verbrennen. Endomondo, die zweite neue App in Rüstung, ist ein digitaler Fitnesstrainer. Sie ist Under Armour weitere 85 Millionen Dollar wert.

Die beiden Zukäufe sind ein weiterer direkter Angriff auf die großen Konkurrenten Adidas und Nike - beide haben eigene Sport-Tracking-Apps auf dem Markt, Nike gilt als Branchenpionier. Sein Nike+-System ist etwa auf Apples iPhones vorinstalliert. Das Adidas-Pendant heißt "miCoach".

Zukäufe belasten das operative Ergebnis

Mit dem System möchte Under-Armour-Chef Plank "die weltgrößte digitale Gesundheits- und Fitness-Community" aufbauen - und so die eigenen Verkäufe weiter steigen lassen. "Wir entwickeln derzeit ein digitales Ökosystem, das uns mit nie dagewesenen Daten ausrüstet." So lasse sich besser verstehen, welche Produkte besonders gut bei Kunden ankämen.

Bereits im Jahr 2013 hatte Under Armour 150 Millionen Dollar für die MapMyFitness-App ausgegeben; alle drei Angebote zusammen kommen nun auf 120 Millionen Nutzer. Sie sollen zwar über eine Plattform des Mutterunternehmens bündelbar sein, insgesamt aber weiter unabhängig voneinander am Markt bleiben. So könnten die Apps zudem durch Werbung und kostenpflichtige Premium-Versionen zum Konzernumsatz beitragen, sagte Plank.

Ursprünglich hätte sein Unternehmen selbst digitale Produkte auflegen wollen. Ihre Entwicklung hätte sich aber als zu teuer und zu schwierig erwiesen, weshalb man in diesem Bereich nun auf Akquisitionen umgestiegen sei. Laut "Financial Times" hat diese Strategie dem digitalen Gesundheitsmarkt nun seinen bislang größten Deal beschert.

Zunächst werde der das Unternehmensergebnis allerdings belasten: Da die Zukäufe derzeit beide investierten und deshalb Verluste schrieben, werde Under Armours operatives Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr nicht wie angekündigt um 22 Prozent, sondern nur noch um 15 Prozent wachsen, teilte das Unternehmen mit. Beim Umsatz will Under Armour nach wie vor um 22 Prozent zulegen. Im Gesamtjahr 2014 hatte das Unternehmen diesen um 32 Prozent auf 3,08 Milliarden Dollar gesteigert.

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