Donnerstag, 24. August 2017

Alle Artikel und Hintergründe

USA enteilt, doch Europa holt auf Das sind Europas Gewinn-Champions

Deutsche Telekom: Europas Konzerne holen auf
Getty Images
Deutsche Telekom: Europas Konzerne holen auf

Der IT-Riese Apple hat zuletzt mehr verdient als die 4 gewinnstärksten europäischen Unternehmen zusammen. Doch es gibt Anzeichen für eine Aufholjagd der Europäer. Mittendrin die Deutsche Telekom.

Die ernüchternde Nachricht zuerst: In punkto Gewinnstärke haben US-Unternehmen ihre europäischen Konkurrenten im vergangenen Jahr erneut weit hinter sich gelassen. Allein der US-Gewinn-Champion Apple Börsen-Chart zeigen wies einen operativen Gewinn (Ebit) in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar (55 Milliarden Euro) aus: Das ist mehr, als die vier gewinnstärksten europäischen Konzerne Roche Börsen-Chart zeigen , Daimler Börsen-Chart zeigen (je 13 Milliarden Euro), Nestlé Börsen-Chart zeigen und Anheuser-Busch (je 12 Milliarden Euro) zusammen erwirtschaftet haben. Nur gemeinsam mit dem fünftplatzierten BMW Börsen-Chart zeigen (9,3 Milliarden Euro) können Europas Konzerne die Gewinnsumme von Apple toppen. Selbst der Drittplatzierte in den USA, der Telekom-Konzern Verizon, verdient noch mehr als doppelt so viel wie Roche oder Daimler.

US-Konzerne wirtschaften also wesentlich profitabler. Und sie profitieren vor allem von dem jüngsten Boom in der IT- und Telekommunikationsindustrie, während in Europa immer noch die "Old Economy" den Ton angibt.

In den USA schafften es die IT-Riesen Apple und Alphabet, die Telekom-Konzerne Verizon, AT&T und Comcast sowie der Softwareanbieter Microsoft in die Top Ten der gewinnstärksten Unternehmen, wie eine Auswertung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ergab. In Europa dagegen ist aus diesen Branchen nur die Deutsche Telekom in den Top Ten vertreten, sonst dominieren Autokonzerne (Daimler und BMW - VW wies 2016 in Folge des Diesel-Skandals nur einen überschaubaren Gewinn aus), Lebensmittelkonzerne (Nestlé und Anheuser-Busch) sowie der Pharmariese Roche. Alter Kontinent, old economy.

Doch ausgerechnet die Deutsche Telekom könnte mit dafür sorgen, dass die europäischen Konzerne den Abstand zu den USA zumindest verkürzen. Bereits 2016 steigerte die Telekom ihren operativen Gewinn um 30 Prozent auf rund 9 Milliarden Euro, während der US-Konzern Alphabet auf eine Gewinnsteigerung von "nur" 23 Prozent kam. Und seit Anfang 2017 wachsen die europäischen Unternehmen beim Gewinn sogar deutlich dynamischer als die US-Konkurrenz.

Gewinne in Europa wachsen derzeit schneller als in den USA

Das aktuell dynamischere Gewinnwachstum in Europa hat natürlich auch damit zu tun, dass die US-Konjunktur in den vergangenen Jahren deutlich stärker war als in Europa und die US-Konzerne ihre Gewinne entsprechend kräftig gesteigert haben. Und wer bereits sehr viel verdient, dem fällt eine weitere hohe prozentuale Steigerung entsprechend schwerer. Die durchschnittliche operative Marge der US-Unternehmen lag 2016 bei 12,7 Prozent - und damit rund ein Drittel höher als bei Europas Top-Konzernen. Entsprechend sind auch US-Aktien aktuell im Schnitt deutlich höher bewertet als europäische Papiere.

Vor allem Dax-Konzerne könnten mit ihrem Gewinnwachstum die Aufholjagd der europäischen Unternehmen anführen. Blickt man auf das erste Quartal 2017, so haben mehr als die Hälfe der Dax-Konzerne, die ihre Zahlen bereits veröffentlicht haben, ihre Gewinne um durchschnittlich 27 Prozent gesteigert, so Ernst & Young. Im breiten US-Index S&P 500 beträgt das durchschnittliche Gewinnwachstum aktuell dagegen nur 10 Prozent.

Sprich: Europas Konzerne sind günstiger bewertet als US-Papiere, obwohl ihre Gewinne derzeit stärker zulegen. Da nach der Wahl von Emmanuel Macron zum neuen Präsidenten Frankreichs auch die politischen Risiken für Europa gesunken sind, dürften europäische Aktien für viele internationale Großanleger nun einen zweiten Blick wert sein.

Macron könne ein "Türöffner für frisches Kapital nach Europa sein", meint Jochen Stanzl, Analyst bei CMC Markets. Anleger, denen US-Aktien inzwischen zu teuer erschienen, könnten nun schrittweise in europäische Papiere umschichten. Das werde nicht über Nacht, sondern über einen Zeitraum von Wochen und Monaten geschehen.

Zumindest die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen gehörte in dieser Woche bereits zu den großen Kursgewinnern in Europa. Die Aktie des ehemaligen Staatskonzerns legte allein am Freitag um knapp 5 Prozent zu. Berichte, dass der US-Mobilfunker Sprint erneut über eine Fusion mit der Telekom-Tochter T-Mobile US verhandeln will, gaben der T-Aktie einen Schub. Doch die Telekom dürfte sich, wenn überhaupt, nur zu einem sehr hohen Preis von T-Mobile trennen: Schließlich erwirtschaftet die Deutsche Telekom inzwischen einen Großteil ihrer Umsätze und Gewinne in den USA.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH