Mittwoch, 29. Juni 2016

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Limousinendienst Uber greift an "In zehn Jahren wird es keine Taxis mehr geben"

App des Limousinendienstes Uber: Viele Taxi-Fahrer hassen das Start-up

In den USA hat sich ein regelrechter Hype um den Limousinendienst-Anbieter Uber entwickelt. Die Expansion nach Europa gerät jedoch zum Spießrutenlauf. In Paris griffen Taxifahrer zu Knüppeln. Auch in Berlin formiert sich Widerstand - und der ist bereits erfolgreich.

Hamburg - Die Fahrt im Wagen von Uber endete für Unternehmensberaterin Kat Borlongan nicht eben wie geplant: Wütende Taxifahrer attackierten Anfang des Jahres das Auto auf dem Weg vom Flughafen Charles de Gaulle mit Steinen, schlugen die Fenster ein und schlizten einen Reifen auf.

Borlongan trug blutende Hände davon und verdankte es wohl nur dem Fahrer, dass nicht noch mehr passierte. Diesem gelang die Flucht mit einem beherzten Tritt auf das Gaspedal, wie die Beraterin laut dem US-Portal "The Verge" über Twitter mitteilte.

Der Vorfall steht stellvertretend für den Hass, der Uber in Europa bisweilen entgegenschlägt. Das Unternehmen vermittelt spontan auch kurze Fahrten in den Autos von registrierten Mitgliedern. Kunden ordern die Fahrzeuge über ihr Smartphone und sparen gegenüber einem Taxi meist etwa 20 Prozent.

Kein Wunder, dass die Taxi-Branche Sturm läuft. Auch in den USA ist das Uber-Geschäftsmodell kein Selbstgänger, in Seattle deckelten die Behörden gerade die Zahl der angebotenen Fahrten. In New York gab es ebenfalls Restriktionen.

Taxiverbände erreichen in Berlin einstweilige Verfügung

Seit dieser Woche versucht das in San Francisco beheimatete Unternehmen nun sein Glück in Berlin - und stößt auf massive Gegenwehr. Am Mittwoch erreichte die Berliner Taxi-Vereinigung per einstweiliger Verfügung, dass Uber den Dienst stoppen muss. Das Gericht bemängelte, dass die Uber-Autos nach einer Fahrt nicht wieder "zu ihrer Garage zurückkehrten", wie es das Gesetz vorsehe.

"Wer für einen solchen Dienst fährt, bewegt sich auf dünnem Eis", formulierte der Vorsitzende des Taxiverbandes Berlin-Brandenburg, Detlev Freutel, laut Berliner Zeitung vor der Entscheidung.

Deutlicher wurde der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband. Über das Smartphone-Programm werde eine "rechtswidrige gewerbliche Personenbeförderung" organisiert, erklärte der Verein.

Uber-Europa-Chef Pierre-Dimitri Gore-Coty kritisierte die Gerichtsentscheidung. "Die Gesetze zur Personenbeförderung in Berlin stammen größtenteils aus einer Zeit, als es noch kein Internet gab", sagte er der Zeitung. Er werde den Dienst weiter anbieten und gegen die Gerichtsentscheidung vorgehen.

Generell sieht Gore-Coty sich weiter auf der Erfolgswelle. "In zehn Jahren", sagte er dem Blatt, "wird es keine Taxis mehr geben". Eine prominente Mitstreiterin hat er bereits in Brüssel: EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes. Sie hat eine Kampagne für Uber losgetreten, wie Spiegel Online berichtet.

Fahrer bei dem amerikanischen Start-up müssen 21 Jahre alt sein, ein eigenes Auto, Führerschein und polizeiliches Führungszeugnis vorweisen. Dann gibt es ein Auswahlverfahren. Die Fahrten mit dem Dienst sollen laut Uber komfortabler als diejenigen mit etablierten Taxifirmen sein.

Lesen Sie auch: Wie Konzerne und Politiker den Aufstieg von Start-ups torpedieren

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mit Reuters und dpa

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