Mittwoch, 19. September 2018

Türkische Währung auf Talfahrt Wie Präsident Erdogan zur Last für die Lira wurde

Problem mit der Lira: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

Im Wahlkampf muss der türkische Präsident Erdogan versuchen, den Verfall der Lira aufzuhalten. Dabei ist er selbst mitverantwortlich für den Kursrutsch der Landeswährung.

Recep Tayyip Erdogan ist ein Mann, der es gewohnt ist, Probleme zu lösen - notfalls durch hartes Durchgreifen und gerne auch auf eine Art und Weise, die den hiesigen Maßstäben der Rechtsstaatlichkeit nicht unbedingt genügt. Nun kämpft der türkische Präsident jedoch gegen einen Gegner, den er mit seinen gewohnten Methoden offenbar nicht so einfach in den Griff bekommt: Die Rede ist vom Finanzmarkt.

Die Landeswährung der Türkei, die Lira, verliert im internationalen Vergleich seit Monaten an Wert. Gegenüber dem US-Dollar etwa beträgt das Minus allein seit Jahresbeginn bereits mehr als 20 Prozent.

Der Wertverfall der Lira kann Erdogan nicht gefallen, zumal ein Kursrückgang an der türkischen Börse sowie ein Anstieg der Renditen türkischer Staatsanleihen damit einhergehen. Die Botschaft ist daher klar: Investoren aus aller Welt ziehen offenbar ihr Geld aus dem Land ab. Das zehrt nicht nur am Ansehen der Türkei in der Welt, sondern hat auch sehr konkrete ökonomische Folgen: Die Konsum-verliebten Türken etwa müssen für ausländische Waren immer tiefer in die Tasche greifen.

Experten glauben zwar in der Mehrzahl nicht, dass sich der Lira-Verfall in größerem Maße auf die am 24. Juni anstehenden Wahlen in der Türkei auswirken wird. Die massiven Preissteigerungen jedoch - die türkische Inflationsrate beträgt gegenwärtig mehr als 10 Prozent - könnten die Wähler dem amtierenden Präsidenten durchaus anlasten. Ein Grund mehr, weshalb der Lira-Sturz bei Erdogan Alarm auslösen dürfte.


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Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Krux für den türkischen Staatschef ist dabei: Beim Thema Lira sucht er nach einer Lösung für ein Problem, das zum großen Teil auf seine eigene Person zurückgeht. Das zeigt ein Blick auf die drei vermutlich wichtigsten Gründe, die zum anhaltenden Wertverfall der Lira geführt haben:

Als Hauptgrund für die Talfahrt der Landeswährung nennen Beobachter regelmäßig die anstehenden Wahlen in der Türkei und die Aussicht darauf, dass Präsident Erdogan seine Machtfülle dadurch noch erheblich ausweiten könnte - auch auf den Wirtschafts- und Finanzsektor. Umfragen sehen derzeit zwar ein enges Rennen. Sollte Erdogan jedoch gewinnen, so tritt eine Verfassungsreform in Kraft, die ihm als Präsidenten wesentlich mehr Macht einräumt.

Erdogan hat bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsieges eine aktivere Rolle in der Wirtschafts- und Währungspolitik spielen zu wollen - eine Äußerung, die Investoren offenbar als Drohung auffassen. Der türkische Präsident hat zwar in der Vergangenheit mit einigen staatlichen Eingriffen zum Aufschwung der Wirtschaft seines Landes beigetragen. Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um mehr als 7 Prozent allein im ersten Quartal 2018, das jüngst veröffentlicht wurde, kann er sich also zum Teil persönlich auf die Fahnen schreiben.

Aus Sicht der Finanzmärkte hat die Sache aber einen Haken: Erdogan hat sich selbst zum "Feind der Zinsen" erklärt. Er vertritt die Minderheitenmeinung, dass höhere Zinsen zur Eindämmung der Inflation - zur Erinnerung: in der Türkei beträgt sie bereits mehr als 10 Prozent - nicht hilfreich seien.

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