Mittwoch, 20. März 2019

Türkische Währung auf Talfahrt Wie Präsident Erdogan zur Last für die Lira wurde

Problem mit der Lira: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

2. Teil: Der "Feind der Zinsen" und sein konsumverliebtes Volk

Zwar hat die türkische Notenbank in den vergangenen Wochen den Leitzins des Landes mehrfach angehoben und so den Verfall der Lira zumindest zeitweise gestoppt. Das volle Vertrauen der Investoren aus aller Welt wurde damit aber offenbar nicht wieder hergestellt, wie der zuletzt erneute Kursrutsch der Währung vermuten lässt. Die Finanzmarktakteure befürchten offenbar, dass ein durch die Wahlen gestärkter türkischer Präsident Erdogan derartige Eingriffe der Zentralbank in Zukunft verhindern könnte.

Grund zwei für die Talfahrt der Lira hängt mit Grund eins unmittelbar zusammen. Ein genauer Blick auf die jüngst veröffentlichten Daten zum türkischen Wirtschaftswachstum zeigt: Die Zahlen sehen zwar gut aus - sie bergen aus Sicht von Investoren jedoch auch Hinweise auf Gefahren.

Das Wachstum des türkischen BIP um 7,4 Prozent im ersten Quartal 2018 ist das höchste aller Länder in der OECD. Basis für den starken Aufschwung der türkischen Wirtschaft ist jedoch beinahe ausschließlich der Konsumsektor, sprich: die Lust der Türken am Kauf von Unterhaltungselektronik, Autos und ähnlichem. Der Exportsektor des Landes dagegen ist zuletzt schwächer geworden.

Aus Sicht internationaler Investoren ergibt sich damit eine riskante Mixtur: Eine stark wachsende, jedoch übermäßig Konsum-lastige Wirtschaft, dazu Preissteigerungsraten jenseits der 10 oder sogar 12 Prozent, die angesichts des Währungsverfalls noch weiter zu steigen drohen, sowie ein Präsident, der die Zügel ökonomisch auch künftig locker lassen möchte - da scheint die Überhitzung beinahe programmiert. Zinssteigerungen wären auch in dieser Hinsicht wohl das probate Mittel der Wahl - doch davon hält Erdogan bekanntlich wenig. Man kann es Investoren wohl kaum verdenken, wenn sie deshalb ihr Geld aus der Türkei lieber abziehen. Investitionen in dem Land jedenfalls, so sagt Helge Müller von Genève Invest zu manager magazin online, halten internationale Unternehmen derzeit erst einmal zurück.

Der dritte Grund für den Kursrutsch der Lira und der türkischen Finanzmärkte liegt ausnahmsweise wirklich weitgehend außerhalb des Einflussbereichs des türkischen Präsidenten. Es handelt sich um das allgemein steigende Zinsniveau weltweit, und zwar insbesondere in den USA.

Erst in dieser Woche erhöhte die US-Notenbank Fed ein weiteres Mal ihren Leitzinssatz. Zudem kündigte das Institut erstmals zwei statt nur einen weiteren Zinsschritt für den Rest des Jahres an.

Die Türkei und andere Schwellenländer bekommen die Auswirkungen der zunehmend zurückhaltenden Geldpolitik von Notenbanken wie der Fed schon seit geraumer Zeit zu spüren: Weil vergleichsweise sichere Geldanlagen wie US-Staatsanleihen nun wieder rentabler werden, ziehen Investoren Kapital aus den mit höherem Risiko behafteten Emerging Markets ab. Dadurch verloren Währungen wie der russische Rubel, der mexikanische Peso oder der polnische Zloty bereits erheblich an Wert. Und die türkische Lira steht nach Ansicht von Experten von dieser Seite ebenfalls unter zusätzlichem Druck.

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