Dienstag, 26. März 2019

Attacke auf Fed-Chefin Yellen Donald Trumps Angriff aufs Geld

Donald Trump: Angriffe auf die Fed

Die US-Notenbank Fed entscheidet diese Woche, ob sie endlich die Zinsen anheben soll. Störfeuer aus der Politik macht der Fed die Arbeit immer schwerer.

Henrik Müller
manager magazin
Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor war Müller stellvertretender Chefredakteur des manager magazins.

Nein, nein, Notenbanker kümmern sich nicht um Politik. Nur für Zahlen und Fakten interessieren sie sich, sonst nichts. Entsprechend sollte es Dienstag und Mittwoch, wenn sich der Gouverneursrat der US-Notenbank Fed trifft, nur um knochentrockene ökonomische Analysen gehen. Denn nach dem Selbstverständnis eines Notenbankers ist die Frage, ob die Zinsen angehoben werden, eine rein technische.

Aber jetzt ist da Donald Trump. Vorige Woche hat sich der republikanische Präsidentschaftskandidat mehrfach Fed-Chefin Janet Yellen vorgeknöpft. Was die dem Land angetan habe, dafür solle sie sich schämen. Die Fed sei "sehr politisch", so Trump, und zwar in einem Ausmaß, wie er sich das nicht habe vorstellen können.

Ganz klar, die Notenbank unterstütze Präsident Barack Obama und die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Nach Trumps Logik lassen Yellen & Co. die Zinsen bewusst auf viel zu niedrigem Niveau, um die Wirtschaft bis zum Wahltag in Fahrt zu halten - damit möglichst viele Leute zufrieden sind und möglichst nichts ändern möchten.

Sicher, Trump hat schon viel wirren Unsinn von sich gegeben. Auch seine Fed-Kritik könnte man einfach in der Kategorie populistischer Wahnwitz verbuchen. Aber so einfach ist die Sache diesmal nicht. Denn:

· Erstens hat sich die Fed selbst in eine schwierige Lage manövriert.

· Zweitens hat sie nun ein Timing-Problem.

· Drittens steigen Trumps Chancen, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen - Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank inklusive.

Beginnen wir mit der Fed selbst. Die Notenbanker haben viel angekündigt - und wenig getan. Bereits im Sommer vorigen Jahres haben Yellen und ihre Mitstreiter begonnen, die Finanzmärkte auf Zinserhöhungen vorzubereiten. Nach Jahren der Fast-Nullzinspolitik würde die Fed die Zinsen allmählich auf Normalniveaus um die 3 Prozent nach oben schleusen, eine Erwartung, diese Erwartung hat die Notenbank selbst geschürt.

Doch passiert ist kaum etwas: Nur einmal, vorigen Dezember, hat sie sich zu einem Schritt nach oben durchringen können, um einen Viertelprozentpunkt.

So geht es weiter. Die Mitglieder im Fed-Gouverneursrat senden alle möglichen Signale in die Öffentlichkeit; mal ist einer für Zinserhöhungen, dann wieder ein anderer dagegen. Yellen selbst lässt die Option weiterer Erhöhungen offen. Kürzlich sagte sie, die Argumente für eine Zinsanhebung in diesem Jahr seien stärker geworden. Aha.

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