Mittwoch, 24. Mai 2017

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Stahlbranche vor Konsolidierung Tata Steel heizt Fusionsfieber mit ThyssenKrupp an

Abstich des Roheisens am Hochofen: Sollte Tata Steel seine Pensionslasten mit Hilfe eines Fonds in den Griff bekommen, wäre der Weg frei für eine Fusion mit ThyssenKrupp

Die Fusionsphantasie um die Stahlsparte von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen und Tata Steel hat neue Nahrung erhalten. Die Aktie des größten deutschen Stahlkonzerns setzte am Mittwoch ihren Höhenflug fort, nachdem Tata von einer grundsätzlichen Einigung mit dem britischen Pensionsfonds berichtet hatte. Die Pensionslasten von Tata in Höhe von rund 15 Milliarden Pfund (17,5 Mrd Euro) gelten als ein Haupthindernis für ein Joint Venture. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat klar gemacht, dass diese Frage zunächst geklärt werden muss. Die Konzerne sprechen bereits seit dem vergangenen Jahr über eine Fusion.

Tata hatte am Dienstag mitgeteilt, den Pensionsfonds vom Unternehmen abzuspalten. Der Konzern werde im Gegenzug um gerechnet etwa 640 Millionen Euro in den Fonds einzahlen. Zudem solle der Pensionsfonds mit einem Anteil von 33 Prozent an der britischen Tata-Tochter beteiligt werden. Der Regulierer müsse dem noch zustimmen.

Dieser erklärte, es müssten noch wichtige Detailfragen geklärt werden. Thyssenkrupp wollte sich dazu nicht äußern. Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat klar gemacht, dass vor einem Joint Venture die Pensionsfrage gelöst werden müsse. Ihm ist das Risiko zu hoch, dass sein Konzern sonst für hohe Pensionssummen in Großbritannien gerade stehen müsste.

Betriebsrat gegen Fusion

Bei den Arbeitnehmern treffen die Fusionspläne weiter auf Ablehnung. "Jetzt macht ein Joint Venture erst recht keinen Sinn", sagte Konzernbetriebsratchef Wilhelm Segerath der Nachrichtenagentur Reuters. Nach den Plänen würde der Pensionsfonds Teil einer neuen Eigentümerstruktur sein. "Damit wäre das Risiko aus den Pensionslasten nicht abgestreift."

Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass bei einer Fusion in Deutschland Standorte geschlossen und Arbeitsplätze gestrichen werden. Sie werfen Hiesinger vor, mit der Abspaltung der Stahlsparte die Bilanz des Konzerns aufhübschen zu wollen, indem er auf das Joint Venture milliardenschwere Schulden abwälzt.

"Fusion in greifbarer Nähe"

Die Thyssenkrupp-Aktie legte zeitweise um knapp fünf Prozent auf 23,58 Euro zu. "Die Fusion mit Tata Steel ist in greifbarer Nähe", sagte ein Händler. Ein Deal könne noch in der ersten Jahreshälfte über die Bühne gehen, erklärten die Experten von Berenberg.

Warburg-Research-Analyst Björn Voss äußerte sich zurückhaltender. "Das ist ein wichtiger Schritt. Es müssen aber noch viele Details für ein Joint Venture geklärt werden." Dazu gehöre etwa die Bewertung der beiden Unternehmen. Diese werde durch die Beteiligung des Pensionsfonds an der britischen Tata-Tochter nicht einfacher. "Ich rechne nicht damit, dass es einen Abschluss noch im laufenden Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende September) geben wird."

la/dpa/reuters

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