Montag, 20. November 2017

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"Es gibt nur einen vagen Plan" Aktionäre fordern Mitsprache bei ThyssenKrupp-Entscheidung

6. Teil: Ministerpräsident Armin Laschet - der Politiker sorgt sich um tausende Wähler

NRW-Ministerpräsident Laschet: Möchte, dass die 22.000 Thyssen-Stahlarbeiter am 24. September die CDU wählen.

Ein Konzern, der seinen Stahlbereich mit mehr als 20.000 Mitarbeitern mit einem ausländischen Unternehmen fusionieren will, um - womöglich per Job-Abbau - Synergien zu heben und Kosten zu sparen, und das unmittelbar vor einer Bundestagswahl - klar, dass das auch ein Thema für die Politik ist.

Allerdings gibt es in der Politik durchaus gegensätzliche Standpunkte zu dem Thema. Die neue nordrhein-westfälische Landesregierung von CDU und FDP etwa steht auf Seiten von Thyssen-CEO Hiesinger. "Wir haben mit der möglichen Fusion mit Tata die Chance, mit einem starken Partner in Europa zusammengehen zu können", sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag. Ein Zusammenschluss der Unternehmen biete viele Vorteile. So ergänzten sich die Standorte, wodurch auch hierzulande die Werke besser ausgelastet würden. "Das würde den Markt erweitern und insgesamt einen starken zweiten großen Player in Europa möglich machen."

Die oppositionelle SPD dagegen brachte im NRW-Landtag einen Antrag ein, wonach die Landesregierung sich gegenüber der Thyssenkrupp-Führung für einen Stopp der Fusionsverhandlungen stark machen sollte. Stattdessen sollten andere Möglichkeiten wie eine "Deutsche Stahl AG", eine Stiftungslösung oder andere Formen der Zusammenarbeit der deutschen Stahlproduzenten geprüft werden. Der Antrag wurde allerdings abgelehnt.

Schon vorher hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) deutlich Stellung bezogen: Der Dax-Konzern solle sich nicht auf den Tata-Deal versteifen, sagte Gabriel Medien zufolge. Und offenbar mit Blick auf die Überlegungen zu einer "Deutschen Stahl AG": Ebenso sei eine nationale Lösung denkbar.

Wie diese deutsche Lösung finanziert werden soll, verriet indes auch Gabriel nicht. Dabei scheint die Frage nicht unerheblich, angesichts der Tatsache, dass Analysten den Stahlteil ThyssenKrupps auf rund 6,2 Milliarden Euro schätzen. Eine Summe, die die im Zentrum der Übernahmespekulationen stehende Georgsmarienhütte wohl kaum stemmen könnte.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Schon im April dieses Jahres bat zudem ThyssenKrupp-Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath die nordrhein-westfälische Landesregierung um Hilfe. Die Antwort ließ einigen Spielraum für Interpretationen: "Wir tauschen uns immer wieder eng mit Betriebsrat, Unternehmensleitung und Gewerkschaft über die aktuelle Situation aus und wir setzen uns dabei für eine gute Zukunft des Stahlstandorts Duisburg und der Arbeitsplätze ein", bekam Segerath mitgeteilt.

Der Absender dieser sibyllinischen Äußerung braucht sich daran inzwischen zumindest nicht mehr messen zu lassen: Das Statement stammt von der früheren NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die kurz darauf abgewählt wurde.

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