Samstag, 15. Dezember 2018

Kaffee-Boom in China Weshalb sich Tencent und Alibaba um Kaffee streiten

Tencent mischt nun auch im Kaffee-Markt mit und macht mit dem Start-up Luckin Coffee gemeinsame Sache

Chinas Internetriesen Tencent und Alibaba haben ihren Konkurrenzkampf auf die Kaffeebranche ausgeweitet. Das Start-up Luckin Coffee, das innerhalb von neun Monaten rund 1000 Filialen in China eröffnete, hat am Donnerstag verkündet, ab sofort mit Tencent zusammenzuarbeiten, wie Bloomberg berichtet. Konkurrent Alibaba macht bereits seit einem Monat mit Starbucks gemeinsame Sache.

Das Geschäft mit Kaffee könnte sich für die beiden Tech-Riesen lohnen. Lange Zeit war China eine Teetrinkernation, heute boomt Kaffee. Innerhalb der letzten Jahre hat China seinen Kaffeekonsum nahezu verdreifacht. Kaffeeimporte nehmen jährlich um 16 Prozent zu, im Vergleich zu zwei Prozent in den USA, wie CBS News schreibt.

Klarer Gewinner des Kaffee-Booms ist Starbucks. Die amerikanische Kette eröffnet alle 15 Stunden eine Filiale in China, zurzeit sind es etwa 3400. Diese Zahl soll sich bis 2022 nahezu verdoppeln. Allein in Shanghai gibt es mit etwas mehr als 600 Läden rund doppelt so viele Filialen wie in New York. Auch der größte Starbucks der Welt, mit 2.800 Quadratmetern fünfzehnmal so groß wie eine gewöhnliche Filiale, befindet sich in Shanghai. Als er öffnete, standen die Kunden stundenlang Schlange. Eröffnet hatte den weltgrößten Starbucks übrigens Alibaba-Gründer Jack Ma. Der mag überhaupt keinen Kaffee. "Aber ich liebe Starbucks."

Das zeigt, dass die Kaffeehauskette etwas richtiggemacht hat, was andere amerikanische Ketten wie McDonalds nicht geschafft haben: Den Nerv des chinesischen Konsumenten treffen. Seitdem sich Starbucks 1971 in China ausgebreitet hat, hat die Kette unermüdlich in den Markt investiert, dabei auch Verluste eingefahren. Starbucks zahlte seinen Mitarbeitern höhere Löhne als die Konkurrenz bot Mietzuschüsse und Krankenversicherungsleistungen sogar für die Eltern der Angestellten. Die Geschäfte in China führt kein Amerikaner, sondern die Chinesin Belinda Wong.

Millennials lieben die Kaffee-Ketten

Nicht einmal die hohen Preise tun dem China-Geschäft einen Abbruch. Umgerechnet mehr als 6 Euro und damit ein Drittel mehr als in Amerika kostet ein großer Latte Macchiato. Der ist das beliebteste Starbucks-Getränk bei den Chinesen. An Kaffee ohne Milch und Zucker haben die chinesischen Konsumenten eher geringes Interesse. Besonders Millennials lieben Starbucks. Für sie ist Starbucks-Kaffee ein Lifestyle-Produkt, sie genießen das Ambiente in den Coffeeshops. Die meisten von ihnen gehören zur Mittelschicht, die nach Angaben des Landes bis 2022 aus etwa 70 Prozent der Bevölkerung bestehen soll.

Doch unter den chinesischen Millennials breitet sich ein weiterer Trend aus: Lieferservices. Junge Chinesen sind es gewohnt, sich Essen und Trinken zur Tür liefern zu lassen. Die Kosten für eine Lieferung sind mit durchschnittlich 0,8 Dollar geringer als in den USA, wo Liefern im Schnitt 4,1 Dollar kostet. In dieser Tendenz, nicht mehr im Geschäft Essen und Trinken zu kaufen, hat Unternehmerin Quian Zhiya auch für Kaffee ein Geschäftsmodell gesehen und Anfang des Jahres Luckin Coffee gegründet. Das Start-up hat das Potenzial zu Starbucks schlimmsten Albtraum zu werden.

2000 Filialen will Luckin Ende 2018 eröffnet haben. Damit wäre die Kette so schnell gewachsen wie Starbucks in zwölf Jahren auf dem chinesischen Markt. Laut einer Umfrage von Reuters tendieren zwei Drittel der Konsumenten noch immer zu Starbucks. Doch während Millennials bei Starbucks die Hälfte der Kundschaft ausmachen, sind es bei Luckin 70 Prozent, wie Goldman Sachs in einem Report schreibt.

Der Lieferung per Livestream zusehen

Kunden bestellen bei Luckin ihren Kaffee per App und bezahlen ihn auch damit. Während es laut Luckin 18 Minuten dauert, bis der Kaffee an die Tür geliefert wird, können die Konsumenten in einem Livestream dabei zusehen, wie ihr Kaffee zubereitet wird. Zugeschnitten auf junge Kunden, ist der Kaffee bei Luckin billiger als bei Starbucks: Ein Latte Macchiato kostet rund 3 Euro, Lieferkosten etwa 70 Cent. Wer auf der Messenger-App WeChat Freunde einlädt, sich die Luckin-App herunterzuladen, erhält Rabatte.

"Irgendwann werden wir mehr Filialen haben als Starbucks", sagt Gründerin Zhiya. Doch noch ist Starbucks Marktführer, auch wenn die Umsätze zuletzt einbrachen. Vielen Kunden gefällt das Ambiente bei Starbucks, sie sitzen lieber am Tisch anstatt sich den Kaffee ins Büro liefern zu lassen. Etwa die Hälfte der Luckin-Filialen sind Cafés, der Rest sind Lieferküchen. Dennoch: 200 Millionen Wagniskapital flossen im Juli in Luckin, der Wert des Start-ups wird auf eine Milliarde geschätzt.

Jetzt mischen Tencent und Alibaba mit

Lange Zeit bot Starbucks keinen Lieferservice an, nun hat sich das Unternehmen dem Trend angepasst. Seit einem Monat bietet die Kette in Zusammenarbeit mit Alibaba einen Lieferdienst an. Das blieb dem Konkurrenten Tencent nicht verborgen. Zwar arbeitet auch Tencent mit Starbucks zusammen: Starbucks-Kunden wickeln ihre Zahlung am Handy per WeChat ab. Doch der Internetriese möchte mindestens einen so großen Anteil wie Alibaba haben am Kaffeegeschäft, das letztes Jahr 4,5 Milliarden wert war.

Schon im April hatten sich Tencent und Luckin angenähert: Die Kette hatte einen Pop-up-Store im Geschäftssitz von Tencent eröffnet. Nun sollen auch die Zahlungen bei Luckin per WeChat abgewickelt werden - per Gesichtserkennung. Außerdem möchte der Tech-Gigant Lieferroboter für die Kaffeebestellungen einführen und mit Augmented-Reality-Spielereien experimentieren. Personalisierte Produktempfehlungen sollen dem Konsumenten die Auswahl erleichtern.

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