Montag, 20. August 2018

Brüssel genehmigt Verkauf von Syngenta nach China EU hilft Bayers gefährlichstem Rivalen

Herren des Saatkorns: Syngenta-Chairman Michel Demare (r) mit ChemChina-Chef Ren Jianxin vor guten einem Jahr.

Das chinesische Staatsunternehmen ChemChina hat eine wichtige Hürde beim Kauf des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta genommen. Die EU-Kommission billigte das milliardenschwere Geschäft am Mittwoch unter Auflagen.

Damit kommt eine weitere Großfusion im Markt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut voran, der auch für deutsche Chemiekonzerne von Bedeutung ist. Erst vergangene Woche hatte Brüssel dem Zusammenschluss der US-Firmen Dow Chemical und Dupont zugestimmt. Angebahnt ist darüber hinaus die Megafusion von Bayer und Monsanto, die letztlich auch von der EU-Kommission geprüft und gebilligt werden muss. Unklar ist dagegen noch, wie der weltgrößte Chemie-Konzern BASF auf die Mega-Merger reagiert.

Die Kommission sei zu dem Schluss gekommen, dass mit den Zusagen von ChemChina bei der Übernahme von Syngenta der Wettbewerb gewahrt bleibe, sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Der Zusammenschluss von Dow und DuPont sei bei der jetzigen Genehmigung bereits berücksichtigt.

Syngenta mit Sitz in Basel produziert unter anderem Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Mittel, die das Wachstum von Pflanzen regulieren. Die Übernahme soll die ChemChina-Tochter Adama mit Sitz in Israel vollziehen, die sich auf den Vertrieb patentfreier Pflanzenschutzmittel spezialisiert hat. ChemChina hatte vor rund einem Jahr insgesamt rund 43 Milliarden Dollar für Syngenta geboten.

"Für die Landwirte und letztlich auch die Verbraucher in Europa ist es wichtig, dass der wirksame Wettbewerb auf den Märkten für Pflanzenschutzmittel auch nach der Übernahme von Syngenta durch ChemChina gewahrt wird", betonte Vestager.

D

ie Wettbewerbskommissarin machte unter anderem zur Auflage, dass Adama wesentliche Teile seines Geschäfts mit schon jetzt auf dem Markt befindlichen Pflanzenschutzmitteln verkauft. Auch Syngenta muss sich vom Geschäft mit einigen

Pflanzenschutzmitteln trennen, insbesondere mit Schädlingsbekämpfern für Gemüse, Getreide und Sonnenblumen. "Der Käufer der veräußerten Vermögenswerte wird in der Lage sein, langfristig mit den beteiligten Unternehmen zu konkurrieren", erklärte Vestager.

Kritiker befürchten stattdessen, dass künftig drei globale Großkonzerne den Markt für Agrochemie unter sich aufteilen und Bauern und Verbrauchern die Bedingungen diktieren könnten. Vor allem gegen die Fusion von Bayer und Monsanto protestieren Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen seit Monaten.

Die Kampagnen-Organisation Avaaz erklärte nach der Entscheidung vom Mittwoch: "Margrethe Vestagers Genehmigung der Fusionen pflanzt Samen, mit denen wir nur Schaden für die öffentliche Gesundheit, unsere Umwelt, kleine Bauernhöfe und unser ganzes Ernährungssystem ernten werden."

dpa-afx, soc

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