Sonntag, 20. Mai 2018

Bilanzskandal Steinhoff zeigt Ex-Chef Jooste wegen Insiderhandels an

Gegen Markus Jooste, dem Ex-Chef von Steinhoff, wird wegen Insiderhandels ermittelt
Steinhoff International
Gegen Markus Jooste, dem Ex-Chef von Steinhoff, wird wegen Insiderhandels ermittelt

Der in einem Bilanzskandal steckende und schwer angeschlagene Möbelkonzern Steinhoff hat den Ende 2017 zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Markus Jooste angezeigt. Das erklärte die amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Heather Sonn am Mittwoch in einer Parlamentsanhörung in Kapstadt. Steinhoff habe sich verpflichtet, alles was schief gelaufen sei, zu beheben und kooperiere in vollem Umfang mit allen Aufsichtsbehörden.

Das Unternehmen habe Jooste bei der in Südafrika unter anderem für organisierte Kriminalität zuständigen Elite-Polizeieinheit der Hawks angezeigt. Steinhoff Börsen-Chart zeigen ist in Deutschland am Möbelhändler Poco beteiligt und ist sowohl in Frankfurt als auch in Johannesburg börsennotiert.

In Südafrika ermittelt nun die Finanzaufsicht FSB wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Konkret handele es sich dabei um zwei Fälle wegen möglichen Insiderhandels sowie um einen wegen falscher oder irreführender Aussagen zu Steinhoff, erklärte die FSB am Mittwoch. Die Finanzaufsicht habe Informationen von deutschen Behörden, einschließlich der Frankfurter Wertpapierbörse, angefordert und stehe in regelmäßigem Kontakt mit der Börse in Johannesburg.

Die Südafrikanische Zentralbank ermittelt derweil, ob Steinhoff gegen Devisenverkehrsgesetze verstoßen hat. Sollte der Konzern zusammenbrechen, werde dies zwar zu deutlichen Verlusten für Banken, Kreditgebern und Investoren führen, aber nicht zur finanzieller Instabilität.

Steinhoff war durch einen mutmaßlichen Bilanzskandal in einen Abwärtsstrudel geraten. In Deutschland laufen seit längerem Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen gegen die Nummer zwei im weltweiten Möbelhandel hinter Ikea. Vorstands- und Aufsichtsratschef traten zurück, die neue Führung versucht das Geschäft derzeit zu stabilisieren.

Der Skandal hatte die Steinhoff-Aktien Börsen-Chart zeigen um bis zu 90 Prozent einbrechen lassen, derzeit notiert das Papier nur noch im Cent-Bereich. Das machte auch die Banken nervös, die den aggressiven Expansionskurs der vergangenen Jahre finanziert hatten und einen Teil ihrer Kredite an Steinhoff bereits abgeschrieben haben.

Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende und Steinhoff-Miteigentümer Christo Wiese sagte vor dem Wirtschaftsausschuss des Parlaments in Kapstadt, die Ende 2017 bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei Jahresabschlüssen seien für ihn "aus heiterem Himmel" gekommen, zitierte ihn die örtliche Nachrichtenagentur News24. Es sei wie eine plötzlich Bombenexplosion gewesen. "Ich war mit dem Management und dem, was ich sah, zufrieden", sagte er demnach weiter.

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Wichtigste Aufgabe des neuen Managements ist es nun, den laufenden Betrieb sicherzustellen. Aufsichtratschefin Sonn bat im Parlament für Verständnis, dass sie wegen laufender oder drohender Ermittlungen nicht zu den Unregelmäßigkeiten Stellung nehmen könne. Steinhoff hatte zuletzt erklärt, sich gegenwärtig in der Lage zu sehen, fällige Zinsen auf Schulden zu bezahlen.

Bilanzvorlage verschiebt sich erneut

Erst gestern musste Steinhoff bekanntgeben, dass der Möbelkonzern auch vier Monate nach Ende des Geschäftsjahres keine Bilanz vorlegen kann. Die Untersuchungen der Wirtschaftsprüfer von PwC zu "Bilanzunregelmäßigkeiten" dauerten an, erklärte das Unternehmen am Dienstag in Stellenbosch bei Kapstadt. Darüber habe Steinhoff auch die zuständige niederländische Finanzaufsicht informiert.

Die Holding Steinhoff International hat ihren juristischen Sitz in Amsterdam. Die Aktien würden trotz der fehlenden Geschäftszahlen weiterhin gehandelt. Vergangene Woche hatte Steinhoff einen Bericht zum operativen Geschäft der mehr als 40 Töchter ("Trading Update") für Ende Februar in Aussicht gestellt.

Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte sich offiziell nicht äußern. Er verwies auf die Börsenordnung: in dieser steht, dass in dem Fall, dass ein Unternehmen seinen Berichtspflichten nicht nachkommt der Sanktionsausschuss der Börse zusammentritt und über den Fall berät. Nach einer Nachfrist von drei Monaten im Anschluss an den Zeitpunkt des Regelverstoßes könnte dieser Ausschuss ein Strafgeld in Höhe von maximal einer Million Euro gegen die betroffene Firma verhängen.

Diese Summe ist zum 1. Januar gestiegen: zuvor hatte die maximale Strafe 250.000 Euro betragen. Da das Geschäftsjahr von Steinhoff am 30. September endet, müsste das Unternehmen bis einschließlich Mittwoch, den 31. Januar, um 24 Uhr, seine Bilanz veröffentlichen.

mg/dpa-afx/rtr

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