Samstag, 25. Juni 2016

MDax-Neuling Steinhoff Möbel Der große Ikea-Rivale, den Sie nicht kennen (aber kennen sollten)

Nicht Ikea, aber nah dran: Werbung für Steinhoff-Firma Poco mit Daniela Katzenberger
youtube/Poco
Nicht Ikea, aber nah dran: Werbung für Steinhoff-Firma Poco mit Daniela Katzenberger

Was das Marketing angeht, ist der Vergleich mit Ikea vielleicht nicht ganz passend. Der niederländisch-schweizerische Möbelriese mit schwedischen Wurzeln setzt alles auf eine Marke. Der niederländisch-südafrikanische Möbelriese mit deutschen Wurzeln hingegen (Steinhoff eben) rühmt sich eines "in stetem Aus- und Umbau begriffenen Netzes von Brands, Handelsmarken und Kollektionen", mehr als 40 Marken in 30 Ländern sollen es derzeit sein.

In Deutschland am bekanntesten ist noch die Discounter-Kette Poco, die mit der Trash-TV-Figur Daniela Katzenberger wirbt: billig, in jeder Hinsicht. Eine selbstkritische Botschaft wie die eines Ikea-Managers, die Leute hätten doch jetzt langsam genug unnützen Krempel gekauft, wäre dort fehl am Platz - auch wenn das Grundprinzip, Rendite mit der Massenproduktion billiger Möbel zu machen, bei beiden gleich ist. Ebenso wie der steuerlich günstige Hauptsitz als niederländische Holding mit eingebauter Firmenschachtelei.

Nun ist Steinhoff Börsen-Chart zeigen zum Mitglied des deutschen Aktienindex MDax Börsen-Chart zeigen ausgerufen worden. Mit dem Börsenwert von mehr als 20 Milliarden Euro würde es sogar für das Mittelfeld der ersten Liga, den Dax Börsen-Chart zeigen, reichen. Allein, dafür fehlt noch der Handelsumsatz an der Frankfurter Börse. Dort ist die Aktie erst seit Dezember notiert, gehandelt wird sie nach wie vor hauptsächlich in Johannesburg.

Zum Börsengang eine Razzia

Der Börsengang am Main machte Steinhoff zwar bekannter, verstärkte aber auch den leicht obskuren Eindruck: Firmengründer Bruno Steinhoff aus dem niedersächsischen Westerstede war zwar da und läutete die Glocke, der CEO Markus Jooste musste bei dem wichtigen Event - dem größten IPO der deutschen Geschichte, wenn auch nur als Umfirmierung - jedoch passen.

Mit einer kurz zuvor bekannt gewordenen Razzia von Steuerfahndern und Oldenburger Staatsanwaltschaft, die dem Verdacht auf Bilanzfälschung nachgeht, habe das "absolut nichts zu tun", erklärte er dem "Handelsblatt". Das sei nur ein "unglückliches Zusammentreffen". Der banale Grund, warum Jooste lieber in Südafrika blieb: "Ich liege seit drei Wochen mit Nackenschmerzen im Bett, konnte daher nicht fliegen."

Was mit den Geschäftszahlen (im vergangenen halben Jahr 6,7 Milliarden Euro Umsatz mit sagenhaften 47 Prozent Wachstum und stolze 637 Millionen Nettogewinn) nicht stimmen könnte, dürfte in diesem Jahr noch Gerichte und Aktionäre - künftig einschließlich der Investoren von MDax-Indexfonds - beschäftigen.

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