Dienstag, 24. Oktober 2017

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Wie man Innovationen erfolgreich kopiert Klauen, aber richtig - Ideendiebstahl als Erfolgsstrategie

Steve-Jobs-Denkmal in Skt. Petersburg: Der verstorbene Apple-Chef Jobs war stolz darauf, ein Dieb zu sein: "Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen," zitierte er Picasso in einem Interview. "Bei Apple haben wir stets schamlos Ideen gestohlen."

3. Teil: Tipp: Nehmen Sie nur das Tafelsilber

3. Nehmen Sie nur das Tafelsilber

Warum alles stehlen, wenn nur ein Bruchteil davon wertvoll ist? Professionelle Ideendiebe schlachten Ideen aus wie ein Auto auf dem Schrottplatz, nehmen das Beste und setzen es mit dem Tafelsilber aus anderen Beutezügen neu zusammen. Das sichert eine hohe Qualität: klauen ja, aber die Fehler der anderen weglassen.

Auf den zweiten Blick sind die Strategien der Berliner Start-up-Szene gar nicht so uninnovativ. Apparently Different hat gut analysiert, was im Modegeschäft und beim Online-Shopping nervt: Im Geschäft ist es das Wühlen durch die Auslagen, beim Online-Shopping die fehlende Möglichkeit des Anprobierens. Weder Technik noch Design sind neu, sondern die Problemlösung. Schaut man sich die meisten Plattformen für das Internet der Dinge an, fällt sofort eines auf: Sie sind kompliziert und schwer zugänglich. Die Innovation von Relayr ist Simplizität: das Internet der Dinge so einfach wie Schokolade machen. Und Flexperto hat das, was andere erfunden haben und was als Einzellösung schon fast überall im Einsatz ist, neu gebündelt und daraus einen neuen Kundennutzen geschaffen. Wären die Flexperto-Gründer Kunstdiebe, hätten sie wahrscheinlich weltweit die besten Gemälde einer bestimmten Kunstrichtung gestohlen und dann ein neues Museum eröffnet.

Innovation mit fremden Ideen? Ist das erlaubt?

Ob man es moralisch für gut befindet oder nicht: Klauen ist erlaubt. Schaut man sich die Rechtslage an, stellt man ernüchtert fest: Ideen genießen erst dann einen Schutz, wenn sie einen gewissen Reifegrad erreicht haben und beispielsweise patentierfähig sind. Oder wenn Markenschutz bzw. ein Geschmacksmuster angemeldet wurden. Doch selbst das hat Ideendiebe wie Edison nicht abgeschreckt. Er war Spezialist in einer Disziplin, die in Fachkreisen "Design Around" genannt wird: technische Innovationen haarscharf um die bestehende Patentlage herum zu entwickeln. Man könnte den professionellen Ideendieben demnach noch eine weitere Eigenschaft hinzufügen: Sie klauen schlauer als die anderen.

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