Donnerstag, 21. September 2017

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Gründer des Autovermieters Starcar über Digitalisierung "Keiner muss mehr im Keller den Vertrag raussuchen"

Starcar-Übergabeprotokoll per Tablet

Tobias Höpfner und Maik Grabow
  • Copyright: Starcar
    Starcar
    Tobias Höpfner (l) und Maik Grabow sind Gründer und Geschäftsführer des Autovermieters Starcar.

Vor gut 30 Jahren fingen sie mit zwei Fahrzeugen an, heute sind sie Deutschlands größter unabhängiger Autovermieter. Die beiden Starcar-Gründer Maik Grabow und Tobias Höpfner verfolgten für ihr Unternehmen von Anfang an ein scheinbar simples Rezept: Sie wollten den Vermietprozess einfacher gestalten als die großen Konkurrenten. In der Digitalisierung sieht sich Starcar im Vorteil gegenüber deutlich größeren Konkurrenten. Warum und wie, erläuterten die beiden Gründer im Interview mit manager-magazin.de.

manager-magazin.de: Herr Grabow, Herr Höpfner, Autovermietung war viele Jahre lang ein wenig digitales Geschäft - mit Hotlines, Papierformularen und längeren Wartezeiten an ihren Schaltern. Wie hat die Digitalisierung in den vergangenen zehn Jahren ihr Geschäft verändert?

Maik Grabow: Simpler ist das Geschäft dadurch nicht geworden. Doch die Abläufe haben sich vereinfacht. Der erste Meilenstein war das Internet, zunächst die Werbung mit dem neuen Medium und dann die ersten Online-Buchungen. Da hat sich viel getan, die Geschwindigkeit ist gestiegen, wir haben an unserer Homepage gearbeitet. Jetzt kann der Buchungsvorgang, wenn der Kunde es möchte, voll digital stattfinden.

mm.de: Welchen Vorteil hat ein Kunde, wenn er alles online bucht - und was macht das für Sie einfacher?

Grabow: Für den Kunden klappt die Fahrzeugübernahme schneller. Denn wir haben dann, wenn der Kunde es möchte, bereits einen Großteil seiner Daten erfasst. Er muss dann nur in die Station kommen, der Vertrag wird ausgedruckt, und er kann dann das Auto mitnehmen.

Tobias Höpfner: Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Kunden auf der Website die Fahrzeuge ganz genau ansehen können. Er kann etwa genau sehen, wie groß und wie lang ein Miet-Lkw ist. Da fällt einiges an telefonischer Beratung weg. Das bedeutet für uns eine deutliche Zeitersparnis.

mm.de: Wie viele Ihrer Kunden organisieren ihre Mietfahrzeuge ausschließlich online?

Höpfner: Aktuell bucht rund ein Drittel komplett digital durch. Die haben höchstens nochmal eine Rückfrage und rufen an, ob wirklich alles klappt, nachdem sie eine Bestätigungs-Email bekommen haben. Viele sind dann auch auf der Website, könnten es elektronisch buchen - rufen aber trotzdem lieber an.

Grabow: Auch für den Kunden geht es deutlich schneller, wenn wir schon vorab alle Daten haben. Dann hat er innerhalb von drei bis fünf Minuten sein Auto, und nicht innerhalb von zehn bis zwölf. Die Zeitersparnis ist schon erheblich. Unsere eigentliche Dienstleistung ist es ja, unseren Kunden das passende Auto zu vermieten - und nicht minutenlang einfache Daten zu erfassen.

mm.de: Welche digitalen Prozesse und Produkte kommen bei ihren Kunden bislang am besten an?

Höpfner: Begeistert sind viele Kunden von unserer iPad-Übergabe. Bevor die Kunden losfahren, bekommen sie sämtliche Fotos von der Übergabe direkt auf ihr Handy gespielt. Es gibt dann also kein Risiko mehr, dass den Kunden ein Schaden "angehängt" wird. Das ist ja oft ein Thema bei Urlaubsmieten. Und es gibt dann keine Diskussionen mehr, denn sowohl wir als auch der Kunde haben dann die Belegbilder.

Grabow: Für unsere Branche waren wir früh dran, da waren wir fast schon Trendsetter. Unser Ziel war es, den Mietprozess besser zu machen. Zuerst fingen wir an, Schadensfotos mit Digitalkameras zu machen. Die mussten aber dann erst mühsam den Verträgen zugeordnet werden. Deshalb haben wir dann eine vernünftige App bauen lassen, wo all das in einer Funktion drinnen ist. Unsere Kunden unterschreiben auch nur noch digital.

mm.de: Wie schwer tun Sie sich als Mittelständler, solche Änderungen schnell einzuführen?

Grabow: Der Vorteil unserer Größe ist es, solche Prozessumstellungen flächendeckend und schnell ausrollen zu können. Das können unsere größeren Konkurrenten, die weltweit operieren, gar nicht so schnell hinbekommen. Denn sie sind soft- und hardwareseitig viel breiter als wir aufgestellt. Deren System muss in Ägypten genauso funktionieren wie in Deutschland. Da den Hebel für einen neuen Prozess umzulegen, ist viel schwieriger.

mm.de: Wie viel Geld stecken Sie in die Digitalisierung, was verändert sich durch den vermehrten Einsatz von IT für ihr Unternehmen?

Grabow: Wir investieren zurzeit rund 4 bis 5 Prozent unseres Umsatzes in die Digitalisierung. Unsere EDV-Kosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Eigentlich sollten sie ja sinken, weil ja etwa Computer deutlich billiger geworden sind. Doch die Kosten wachsen. Das Spannende an der Digitalisierung ist aber, dass sie uns Nachbearbeitungsprozesse spart. Weil wir die Mietverträge nun in digitaler Form vorliegen haben, muss keiner mehr in den Keller gehen und den Vertrag raussuchen. Jeder Mitarbeiter kann jederzeit online auf die Daten zugreifen.

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