Montag, 26. Juni 2017

Milliardenschweres Übernahme-Angebot für Stada Thank god it's Marktwirtschaft

Stadas Noch-Vorstandschef Matthias Wiedenfels.

Hartmut Retzlaff rühmt sich gern, bei seinem Start als Vorstandschef von Stada 1993 einen "Hasenstall" vorgefunden zu haben. 23 Jahre später, bei seinem erzwungenen Abschied Mitte 2016, hatten die Hessen einen Umsatz von knapp 2,2 Milliarden Euro vorzuweisen und die Mitgliedschaft im MDax.

Es ist also viel Wert geschaffen worden in Bad Vilbel vor den Toren Frankfurts. Aber auch, um im Bild Retzlaffs zu bleiben, viel Mist.

Das Unternehmen produziert zu aufwändig und zu teuer, vor allem aber ist Stadas Firmenkultur den Zuständen in einem Saustall mitunter nicht unähnlich. Den Hersteller von Marken wie Grippostad und Ladival durchzieht ein Netz an Seilschaften und Intrigen. Besonders auffällig wurde das in den vergangenen Monaten an den Rangel- und zum Teil auch Rüpeleien zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. (Lesen Sie hier den mm-Report zum wüsten Kampf um Stada)

Das ist für die Eigentümer misslich, für die Mitarbeiter aber noch viel mehr. Bewertungen und Beförderungen folgen in einer solchen Situation nicht mehr der Leistungs-Logik, sondern Egoismen. Ein Einzelunternehmer mag sich das nach Guts- (oder auch Hasenstall-)Herrenart leisten können, er muss dann halt nur mit der Fluktuation guter Mitarbeiter umgehen können.

Das Gute an börsennotierten Unternehmen ist: Es gibt ein natürliches Korrektiv.

Das scheint nun in geradezu lehrbuchhafter Form zu greifen: Finanzinvestoren unterbreiten den Aktionären ein Übernahme-Angebot (für dessen absolute Höhe sich der erst seit knapp einem Jahr amtierende Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker von Aktionären feiern lassen darf) - verbunden mit dem Versprechen, das alte Regime abzulösen.

Natürlich wird die Atmosphäre unter den Private-Equity-Häusern Cinven und Bain Capital sportlich bis eisig. Aber es wird eben klare Regeln geben und keinen anarchieähnlichen Zustand wie zuletzt bei Stada.

Finanzinvestoren sind in Deutschland zu Recht viel kritisiert worden - und das aktuelle Beispiel Jack Wolfskin zeigt, dass ihre Rendite-Jagd immer noch zu häufig ins Perverse abgleitet. Bei Stada hat die Branche nun die Chance, ihr Image-Konto kräftig aufzufüllen.

Das wäre dann auch ein schöner Beleg gegen die simple These, der "grassierende Finanzkapitalismus" sei Ursache und Fratze allen Übels der aus den Fugen geratenden Welt. Bei Stada, im beschaulichen Bad Vilbel, bieten einige der Grundregeln dieses Finanzkapitalismus' Tausenden Beschäftigten jetzt die Chance auf eine bessere Zukunft.

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