Montag, 21. August 2017

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Bain und Cinven läuft die Zeit davon Stada-Übernahme droht zu scheitern

Stada: Machtkampf, Intrigen und ein Übernahme-Krimi

Die 5,3 Milliarden Euro schwere Übernahme von Stada droht Finanzkreisen zufolge auf der Zielgeraden zu scheitern. Bis Montag sei die Annahmequote für das Übernahmeangebot der Finanzinvestoren Bain und Cinven mit 36,55 Prozent deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagten drei mit dem Prozess vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Bis Donnerstag (22. Juni) müssen Cinven und Bain mindestens 67,5 Prozent der Aktien des hessischen Arzneimittel-Herstellers einsammeln, sonst gilt ihr Angebot über 66 Euro je Aktie als gescheitert. "Die Übernahme droht vor die Wand zu fahren", sagte ein beteiligter Investmentbanker. "Das wird eine knappe Sache", sagte ein anderer. Platzt der Verkauf, dürfte die Stada-Aktie, die am Montag bei 64,10 Euro gehandelt wurde, in den Keller gehen.

Viele institutionelle Anleger warten bis zum Schluss der Frist

Viele institutionelle Anleger dienen ihre Aktien zwar erst ganz am Ende der Annahmefrist an. Banker befürchten aber, dass sich einige spekulative Investoren wie Hedgefonds verpokern könnten. Viele von ihnen seien in der Hoffnung auf ein besseres Angebot zu Kursen über 66 Euro eingestiegen und zögerten daher, mit Verlust zu verkaufen.

Der Spielraum für Bain und Cinven ist klein. Rund 27 Prozent der Stada-Aktien seien in den Händen von Kleinanlegern - etwa Apothekern und Ärzten -, von denen etwa die Hälfte das Angebot angenommen habe, sagte einer der Insider. Die übrigen seien auf den letzten Drücker schwer zu mobilisieren.

Rund zwölf Prozent lägen in börsengehandelten passiven Fonds (ETFs), die ihre Anteile so lange nicht abgeben dürfen, wie die Aktie in den zugrundeliegenden Börsenindizes geführt wird.

Doch von der Untergrenze von 67,5 Prozent können die Stada-Bieter nicht mehr abrücken. Eine Offerte darf nach dem Gesetz nur einmal geändert werden - und das hatten die Bieter bereits getan, als sie die Schwelle von zuvor 75 Prozent senkten.

Cinven und Bain brauchen einen Beherrschungsvertrag, um die Übernahme finanzieren zu können - und um diesen abschließen zu können, benötigen sie eine Dreiviertel-Mehrheit in der Hauptversammlung.

Bain und Cinven hatten sich nach einem monatelangen Poker um das Unternehmen aus Bad Vilbel bei Frankfurt gegen die Konkurrenten Advent und Permira durchgesetzt und dabei nach Einschätzung von Analysten den Preis schon voll ausgereizt.

Bain und Cinven hatten Annahme-Hürden bereits gesenkt

Die Finanzinvestoren Bain und Cinven hatten zuvor versucht, mit einem doppelten Kniff die geplante Übernahme von Stada Börsen-Chart zeigen zu retten. Sie räumten den Aktionären des hessischen Arzneimittelherstellers mehr Zeit für die Annahme ihrer Milliarden-Offerte ein und geben sich zugleich mit einer niedrigeren Zustimmung zufrieden. So müssen sich die Stada-Aktionäre nun bis zum 22. Juni entscheiden.

Zudem fordern Bain und Cinven nicht mehr die Zustimmung von 75 Prozent der Anteilseigner, sondern geben sich mit 67,5 Prozent zufrieden, wie aus den veränderten Angebotsunterlagen hervorgeht.

Zudem gibt es für Aktionäre eine zweite Frist. Sofern am 22. Juni um Mitternacht die neue Quote erreicht sei, hätten Aktionäre noch Zeit bis zum 11. Juli, um Bain und Cinven ihre Anteile anzudienen. Somit könnte die Zustimmung nachträglich noch steigen. Anteilseigner, die das Übernahmeangebot bereits angenommen haben, bräuchten nichts Weiteres zu tun.

5-Milliarden-Euro-Offerte ist kein Selbstläufer - Privatanleger zögern

Zugleich wiesen Bain und Cinven darauf hin, dass es rechtlich unmöglich sei, die Annahmeschwelle erneut zu senken. Würde die Marke von 67,50 Prozent bis zum 22. Juni verfehlt, scheitere die Offerte.

Probleme, die Stada-Aktionäre von dem5,3 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot zu überzeugen, hatten sich schon abgezeichnet. Am Mittag - einen Tag vor dem Ende der ursprünglichen Annahmefrist - hatten erst 21,5 Prozent der Anteilseigner der Offerte von Bain und Cinven zugestimmt. Als große Hürde gilt der hohe Anteil von Privatanlegern, die 29 Prozent der Stada-Aktien besitzen, darunter viele traditionsbewusste Ärzte und Apotheker.

Zudem halten Indexfonds 14 Prozent der Anteile und dürfen diese wegen der Zugehörigkeit des Konzerns zum MDax Börsen-Chart zeigen aus technischen Gründen nicht andienen.

Vorstand und Aufsichtsrat von Stada empfahlen den Aktionären erneut, das Übernahmeangebot anzunehmen. Es sei im besten Sinne des Unternehmens und spiegle den finanziellen Wert wider, erklärten sie.

Bain und Cinven wollen bei dem Hersteller von Nachahmer-Medikamenten und rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad die internationale Expansion vorantreiben und den Konzern ausbauen. Um den letzten unabhängigen Produzenten von Nachahmer-Medikamenten in Deutschland mit mehr als 10.800 Mitarbeiternhatte es zuvor ein zähes Ringen gegeben, in dem sich Bain und Cinven gegen andere Beteiligungsfirmen durchgesetzt hatten. Finanzinvestoren kaufen Firmen, um deren Profite zu steigern und sie nach einigen Jahren mit Gewinn weiter zu verkaufen.

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