Samstag, 18. November 2017

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Neue Aufsichtsräte - Lehren aus dem Fall Stada Ein Konzernputsch, der hoffentlich Nachahmer findet

Aktionistische Aktionäre haben Stada binnen Kürze dazu gebracht, Veränderungen im Aufsichtsrat umfassend und schnell umzusetzen

Thorsten Grenz
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    Thorsten Grenz
    Thorsten Grenz ist Präsident der Financial Experts Association e.V., der Vereinigung unabhängiger Finanzexperten, die als Aufsichtsräte arbeiten. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter einer Beteiligungsgesellschaft und Mitglied in Aufsichts- und Beiräten. Grenz lehrt als Honorarprofessor an der Universität in Kiel und ist Wirtschaftsbeirat und Fellow-at-Large am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Bis 2012 war er Geschäftsführer eines großen Versorgungsunternehmens.

Aktionäre haben Einfluss - wenn sie ihn entschlossen nutzen! Und sie können die Governance ihres Unternehmens maßgeblich verbessern. Aktuelles Beispiel: Stada Arzneimittel AG Börsen-Chart zeigen. Hier haben aktive Aktionäre unter Führung des größten Einzelaktionärs "Active Ownership Capital" (AOC) ihr Unternehmen dazu gebracht, Veränderungen im Aufsichtsrat umfassend und schnell umzusetzen.

Das im MDAX notierte Unternehmen wird nun kurzfristig einen weitgehend neuen Aufsichtsrat erhalten. Dem Gremium in seiner bisherigen Zusammensetzung wurde das Fehlen der für eine aktive Beratung und Kontrolle erforderlichen Kompetenzen angekreidet: Im Aufsichtsrat seien zu viele Apotheker vertreten; notwendig aber (die fehlenden) Erfahrungen im internationalen Pharma- und Gesundheitsgeschäft sowie in Corporate-Governance- und Finanzfragen. Darüber hinaus ließen sich weitere kritische Punkte ergänzen: Die Mandatsdauer der bisherigen Aufsichtsräte beläuft sich im Schnitt auf beachtliche 17 Jahre - der langjährige Vorstandsvorsitzende kam sogar auf 23 Dienstjahre.

Insgesamt war die Gremienbesetzung ein Musterbeispiel für das, was die französische Investorin Anne-Sophie d'Andlau kürzlich in einem Interview mit manager-magazin.de so treffend als "clubby" bezeichnet hat - dem Hang, im vertrauten Kreis unter sich zu bleiben - manchmal eben auch über Jahrzehnte.

Die Aktivitäten und Vorgänge bei Stada sind gleich in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Da ist zunächst die Konsequenz der Forderungen, mit denen AOC angetreten ist: Der Investor verzettelte sich nicht in langwierigen Bemühungen um einen "Repräsentanten" im Aufsichtsrat - ein eher an Schachereien erinnernde Vorgehensweise, die gelegentlich bei um Einfluss ringenden Großaktionären zu beobachten ist -, sondern betrieb das, was man für geboten hält, in aller Konsequenz: die "Runderneuerung" des Aufsichtsrats.

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So sollten fünf der sechs Kapitalvertreter neu gewählt werden, mithin die Mehrheit des neunköpfigen Aufsichtsrats. Das Unternehmen sah sich unter Druck und wollte den Vorschlägen der Investoren zuvorkommen. Damit ist der weitere Fortgang der Geschichte nun aber fast schon nebensächlich, denn die aktiven Aktionäre haben in der Sache das erreicht, was man erreichen wollte: einen professionell besetzten Aufsichtsrat mit einem weiten Kompetenzspektrum.

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