Dienstag, 21. November 2017

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MDax-Konzern geht an Finanzinvestoren Bain und Cinven gelingt Kauf von Stada - Aktie steigt stark

Klarheit nach monatelangem Hickhack: Der MDax-Konzern Stada geht an zwei Finanzinvestoren

Den Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven ist der Kauf des Pharmaherstellers Stada (Grippostad, Ladival) geglückt. Ihnen seien mehr als die 63 Prozent der Aktien des MDax-Konzerns angeboten worden, die sie als Mindestschwelle für die Umsetzung der Transaktion angegeben haben, teilte Stada am Donnerstag mit und bestätigte damit entsprechende Informationen von manager-magazin.de. Die Bieter, die sich für die Offerte in der "Nidda Healthcare Holding AG" zusammengeschlossen haben, präzisierten die Angabe später auf 63,85 Prozent.

Damit ist eine der spektakulärsten Übernahmeschlachten in Deutschland der vergangenen Jahre beendet. Bain Capital und Cinven waren mit ihrem ersten Anlauf vor rund zwei Monaten gescheitert und hatten danach die Mindestannahmeschwelle von 67,5 Prozent gesenkt sowie den Angebotspreis um 25 Cents auf 66,25 Euro erhöht. Ein möglichst großes Aktienpaket ist für die Investoren wichtig, um ihre strategischen Vorstellungen so ungebremst wie möglich durchsetzen zu können.

In den kommenden Wochen steht nun eine weitgehende Neubesetzung der Spitzengremien an. Stadas Vorstandsvorsitzender Engelbert Coster Tjeenk Willink hatte schon bei seinem Amtsantritt vor wenigen Wochen erklärt, nur für eine Übergangsphase zur Verfügung zu stehen. Auch Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker wird keine lange Zukunft zugetraut.

An der Börse kam die Nachricht vom erfolgreichen Angebot gut an: Stada-Aktien Börsen-Chart zeigen schossen zeitweise um mehr als 14 Prozent auf über 73 Euro. Händler begründeten die Kurs-Rally vor allem mit Eindeckungen von Leerverkäufen: Spekulative Anleger, die mit geliehenen Stada-Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten diese Aktien nun am Markt zurückkaufen. Das trieb den Stada-Kurs steil nach oben.

Viele Marktteilnehmer dürften zudem auf einen Sondergewinn durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag hoffen, der ab einer Schwelle von 75 Prozent möglich ist, sagte ein Händler. Sollte sie im ersten Schritt noch nicht erreicht worden sein, wäre es in einer Verlängerungsfrist immer noch möglich. Schließlich sei es dann auch nur noch eine Frage der Zeit, bis Bain und Cinven nach dem Kauf weiterer Anteile mit dem Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze Out) begännen.

5,3 Milliarden schweres Stada-Angebot galt als Test

Vor dem ersten und zweiten Angebot hatten jeweils scharfe Konflikte in der Unternehmensführung das Unternehmen und den Verkaufsprozess belastet. So mussten etwa vor wenigen Wochen der damalige Vorstandschef Matthias Wiedenfels sowie sein Finanzvorstand Helmut Kraft das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Noch am Mittwochabend hatte der Stada-Kurs unter dem Angebotspreis gelegen - ein Beleg für die Unsicherheit unter Investoren, ob der Deal zustande kommt.

Das insgesamt 5,3 Milliarden Euro schwere Angebot der Finanzinvestoren galt als Test, ob in Deutschland Finanzinvestoren überhaupt der Kauf größerer börsennotierter Unternehmen möglich ist. Zahlreiche Private-Equity-Investoren haben bei ihren Anlegern Milliarden eingesammelt, für die sie nun ihrerseits Investitionsmöglichkeiten suchen.

Stadas Vorstandsvorsitzender Engelbert Coster Tjeenk Willink sagte: "Wir sind froh, dass die Frage der zukünftigen Eigentümerstruktur nun geklärt ist. Mit der umfangreichen Branchenexpertise der neuen Eigentümer und ihrem Zugang zu einem weltweiten Netzwerk im Gesundheitswesen wird Stadas Position als global tätiges Pharmaunternehmen nachhaltig gestärkt."

Alle kartellrechtlichen Freigaben seien erfolgt. Der Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) und rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad könne sich nun wieder auf das operative Geschäft konzentrieren. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Oetker begrüßte die Entscheidung der Aktionäre.

mit Material von dpa/Reuters

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