Montag, 20. November 2017

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Milliarden für Sponsoring 6,3 Milliarden Euro für zehn Top-Clubs - so viele Trikots müssen Adidas und Nike verkaufen

Christiano Ronaldo: Jedes zweite verkaufte Trikot von Real Madrid (90 bis 120 Euro) trägt die Rückennummer 7. Der Nike-Werbestar verhalf damit ausgerechnet Adidas zu Top-Umsätzen. Doch reicht das aus, um die Millionensummen für Sponsoring jemals wieder einzuspielen?

Im Wettstreit um die Top-Clubs im europäischen Fußball bezahlen die großen Sportartikelhersteller immer höhere Summen für ihre Sponsoringverträge. Sind die Preise längst strategisch oder lassen sich die Milliardensummen refinanzieren? Eine Spurensuche.

Der FC Barcelona ist im Fußballbusiness weiterhin der Club für die Rekordverträge. Im vergangenen Herbst verlängerte der viermalige Champions-League-Gewinner seinen Ausrüstervertrag mit dem US-amerikanischen Sportausrüster Nike Börsen-Chart zeigen vorzeitig um neun Jahre.

Die Katalanen kassieren dadurch bis 2026 jährlich 150 Millionen Euro. Die bisherige Kooperation, die noch bis Ende der Saison 2017/18 läuft, bringt dem spanischen Spitzenclub etwa 35 Millionen Euro pro Jahr ein. Die Rechtesumme konnte mit dem neuen Vertrag also mehr als vervierfacht werden.

Nike fungiert schon seit 1998 als Ausrüster von Barça. Im Zuge der Vertragsverlängerung im Herbst 2016 soll der laufende Kontrakt auf jährlich rund 100 Millionen Euro angepasst worden sein. Dadurch nimmt der Club in den zwei letzten Jahren des alten Vertrages zusätzlich 150 Millionen Euro ein. Insgesamt ergibt sich ein Vertragsvolumen von unglaublichen 1,35 Milliarden Euro.

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Heft November 2017

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Im Kampf um die weltweite Vorherrschaft im Sportartikelgeschäft investieren vor allem die Dauerrivalen Nike Börsen-Chart zeigen und Adidas Börsen-Chart zeigen inzwischen Milliardensummen, um die Top-Clubs in Europa langfristig an sich zu binden. Welches Ausmaß das Wettbieten der Konzerne angenommen hat und wie sehr die Preise in den vergangenen Jahren explodiert sind, zeigt auch der Blick in die englische Premier League.

Poker zwischen Adidas und Nike um Arsenal FC

Markgerüchten zufolge soll Adidas bei Arsenal London ab 2018 Puma ablösen, das die Ausrüsterpartnerschaft wiederum erst 2014 von Nike übernommen hatte und derzeit einen noch bis 2019 laufenden Vertrag besitzt. Sollten sich die Gerüchte um eine vorzeitige Ablösung und die kolportierte Adidas-Rechtesumme bewahrheiten, könnten sich die "Gunners" dank des neuen Ausrüstervertrags künftig über jährlich 90 Millionen Pfund (rund 100 Millionen Euro) freuen, nachdem sie zuvor von Puma mit 30 Millionen Pfund nur rund ein Drittel dieses Betrages erhalten haben.

Der Adidas-Vertrag von Real Madrid
Der Vertrag zwischen Adidas und Real Madrid gilt seit 1. Juli 2015 und hat eine Laufzeit bis zum Ende der Spielzeit 2023/24. Adidas bezahlt Real ein jährliches Fixum von 70 Millionen Euro und beteiligt den Club mit 22,5 Prozent an den weltweiten Netto-Merchandising-Erlösen.
Hierfür soll es eine jährliche Garantiesumme von 30 Millionen Euro geben. Hinzu kommen Sachleistungen für die „Blancos“ in Höhe von acht Millionen Euro pro Jahr. Beim Gewinn der spanischen Meisterschaft bezahlt Adidas weitere 2,5 Millionen Euro an den Club. Ab 2020 soll sich dieser Betrag auf 3,5 Millionen Euro erhöhen. Beim Gewinn der UEFA Champions League soll der Sportartikler aktuell fünf Millionen Euro an Real ausschütten, ab 2020 sieben Millionen Euro. In der Saison 2016/17 dürften nach SPONSORS-Informationen inklusive der Prämien und Beteiligungen an Verkaufserlösen insgesamt 125 Millionen Euro geflossen sein.

Quelle: SPONSORs 10/17

Nike hatte zuvor wiederum sogar nur knapp acht Millionen Pfund pro Saison bezahlt. Innerhalb von fünf Jahren würde sich der Wert des Ausrüstervertrags von Arsenal also mehr als verzehnfachen.

Interessanterweise könnte der Stadtrivale FC Chelsea beim Deal zwischen Adidas und Arsenal eine entscheidende Rolle spielen. Adidas hatte den FC Chelsea sechs Jahre früher als geplant an Nike verloren und kassierte dafür eine Entschädigung im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die "Blues" werden ab 2017 vom US-Konzern ausgestattet und erhalten dafür bis 2032 pro Jahr 66 Millionen Euro.

Zumindest aktuell in England noch unerreicht ist der Vertrag von Manchester United: Der englische Rekordmeister erhält von Adidas seit der Saison 2015/16 für zehn Jahre insgesamt 750 Millionen Pfund (830 Millionen Euro), wobei Nike um 100 Prozent überboten wurde.

Die Preisspirale dürfte indes noch nicht am Ende sein. Die Sportartikelhersteller buhlen weiter um die Gunst der besten Clubs in Europa und überbieten sich dabei gegenseitig.

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