Montag, 19. November 2018

Provinzial Rheinland und Nordwest gehen zusammen Sparkassen fusionieren Versicherungstöchter

Keine Luftnummer: Die Sparkassen fusionieren zwei ihrer Versicherer

Im fünften Versuch hat es endlich geklappt. Die Sparkassen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben sich nach Information von manager-magazin.de aus Verhandlungskreisen Ende August auf die Fusion ihrer Versicherungsgesellschaften geeinigt.

Mit dem Zusammenschluss der Provinzial Rheinland und der Provinzial Nordwest entsteht ein Konzern mit Prämieneinnahmen von rund 5,6 Milliarden Euro, der seine Policen über die Sparkassen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vertreiben wird.

Der neu formierte Konzern soll von Düsseldorf, Kiel und Münster aus geführt werden. Damit würden auch die bisherigen Konzernzentralen weitgehend erhalten bleiben. CEO soll die bisherige Nummer eins der Provinzial Nordwest, Wolfgang Breuer, werden. Er wird seinen Dienstsitz nach wie vor in Münster haben. Sein Counterpart bei der Provinzial Rheinland, Patric Fedlmeier, soll zunächst als stellvertretender Vorstandsvorsitzender agieren.

Die Anteile am fusionierten Unternehmen sollen Informationen von manager-magazin.de zufolge so verteilt werden, dass die bisherigen Eigner der Provinzial Nordwest etwa 60 Prozent und die bisherigen Eigentümer der Rheinischen Provinzial den Rest halten werden. Die Zustimmung der zuständigen Aufsichtsgremien steht noch aus.

Den Verhandlungserfolg kann sich vor allem die westfälische Sparkassenpräsidentin Liane Buchholz auf die Fahnen schreiben. Die einstige Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Öffentlicher Banken hielt den Druck in den Gesprächen hoch, machte nie einen Hehl daraus, dass sie im Falle eines Scheiterns Alternativen in petto hat.

Hauptverwaltung Provinzial Düsseldorf

Mit Allianz-Chef Oliver Bäte fand zu Jahresbeginn eine erste Sondierungsrunde statt, die allerdings schnell im Sande verlief. Weiter war sie mit Markus Rieß im Gespräch, dem Sanierer des Düsseldorfer Ergo-Konzerns, der für den Fall, dass der Poker mit den Eigentümern der Provinzial gescheitert wäre, als Alternative parat gestanden hätte.

Dass der Zusammenschluss der beiden Provinzial-Gesellschaften jetzt zustande kommt, liegt vor allem am Ertragsdruck, in den die Lebensversicherer der beiden Gesellschaften durch die ausgedehnte Niedrigzinspolitik der Zentralbanken geraten sind. Auch die anstehenden hohen Investitionen in die Digitalisierung der Unternehmen lassen sich in größeren Einheiten besser bewältigen.

Bevor der zum Jahreswechsel geplante Zusammenschluss tatsächlich auch vollzogen werden kann, sind noch eine ganze Reihe von rechtlichen Hindernissen zu überwinden. Unter anderem muss die Provinzial Rheinland, die bislang als öffentlich rechtliche Anstalt firmiert, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Zudem müssen die Landeregierungen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen den Staatsvertrag anpassen, der die bundesländerübergreifende Zusammenarbeit der Sparkassen regelt.

Es ist nach Jahren erfolgloser Verhandlungen der erste Schritt, die bislang 11 verschiedenen Versicherungsgruppen der deutschen Sparkassen samt ihren 47 Einzelgesellschaften zu konsolidieren. Bislang waren die Gespräche entweder an den unterschiedlichen Interessen der betroffenen Landesregierungen, den persönlichen Animositäten der beteiligten Topmanager oder an den komplizierten Eigentümerstrukturen gescheitert - allein an den seit etwa einem Jahr laufenden Verhandlungen waren fünf Sparkassenorganisationen aus vier Bundesländern sowie die in zwei unterschiedlichen Landschaftsverbänden organisierten kommunalen Eigentümer beteiligt.

Bis das Versicherungsgeschäft der Sparkassen ähnlich effizient aufgestellt sein wird wie bei den Genossenschaftsbanken, bei denen die Assekuranzdienstleistungen bei der R+V zusammenlaufen, kann es also noch Jahre dauern.

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