Mittwoch, 27. Juli 2016

Übernahme von Payone Sparkassen steigen in E-Commerce ein

Sparkasse: Die Beteiligung an Payone könnte ein erster Schritt in die Zukunft des E-Commerce sein

Die sonst im digitalen Business zurückhaltenden Sparkassen kaufen einen Anbieter für Online-Zahlungen: Nach mm-Informationen hat die Finanzgruppe die Mehrheit am Zahlungsdienstleister Payone übernommen - einer der größten Spieler am Markt.

Hamburg - Der Deutsche Sparkassenverlag (DSV) beteiligt sich nach Informationen von manager magazin zum 1. Januar 2015 am Kieler Unternehmen Payone, das Zahlungen für Onlineshops abwickelt. Der DSV übernimmt demnach 80 Prozent der Anteile von den geschäftsführenden Gesellschaftern Jan Kanieß (33) und Carl Frederic Zitscher (31), die die Firma weiterhin führen und mit jeweils 10 Prozent an ihr beteiligt bleiben. Der Kaufpreis ist unbekannt. Payone wurde bei dieser Transaktion von der Investmentbank GP Bullhound begleitet.

Viele Banken versuchen derzeit, sich auf dem Markt für digitale Bezahlsysteme und Finanzdienstleistungen besser aufzustellen. Experten werfen ihnen immer wieder vor, den von Finanz-Startups ("FinTech") und Technologiekonzernen befeuerten Strukturwandel zu verschlafen.

Erst vor wenigen Monaten waren die Sparkassen aus einem Gemeinschaftsprojekt deutscher Großbanken ausgestiegen, das eine Konkurrenzlösung für das mobile Bezahlsystem von Apple ("Apple Pay") entwickeln sollte.

Der Zukauf in Kiel könnte nun ein erster Schritt in die Zukunft sein: Payone ist mit 2500 Kunden und einem Transaktionsvolumen von drei Milliarden Euro im Jahr neben Wirecard und Ogone einer der größten Zahlungsdienstleister am deutschen Markt. Das Unternehmen wickelt etwa für Zalando, Sony Music oder Hallhuber Zahlungen (zum Beispiel via Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal) in Onlineshops ab und behält dafür je Transaktion einen Cent-Betrag als Gebühr ein. Geschäftsführer Zitscher rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatz von acht Millionen Euro, die Rendite sei in den letzten Jahren stets zweistellig gewesen. Payone wurde bei dieser Transaktion von der Investmentbank GP Bullhound begleitet.

Die Sparkassen wollen dank des Zukaufs ihr Angebot für Geschäftskunden verbessern. So gehört zum DSV auch die B+S Card Service, die für über 220.000 Kunden Kartenzahlungen an der Ladenkasse abwickelt. Künftig wäre also ein Komplettpaket aus Kontoführung, Online- und Kartenzahlungssystem möglich.

Payone-Geschäftsführer Zitscher erhofft sich von seinem neuen Partner vor allem Wachstumspotenzial. "Die Sparkassen sind Marktführer in Deutschland und decken hier die gesamte Wertschöpfungskette ab", sagte er manager magazin. Künftig wolle sein Unternehmen zudem verstärkt Händler im EU-Ausland als Kunden gewinnen.

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