Mittwoch, 14. November 2018

SpaceX vor erstem Militärauftrag der US-Air Force Kleiner Schritt für die Raumfahrt, großer Sprung für Elon Musk

Schöner Schein: Eine Falcon 9-Rakete von SpaceX startet Ende Juni ins Weltall - doch sie kommt dort nicht an. Die Rakete explodierte schon wenige Minuten nach dem Take-off

Lange hat er darum gekämpft, jetzt ist Elon Musk kurz vor dem Ziel: US-Medien zufolge steht der Milliardär und Unternehmer, auch Chef des Elektroautobauers Tesla Börsen-Chart zeigen, mit seiner Firma SpaceX unmittelbar davor, einen wichtigen Auftrag der US-Air Force zu ergattern. Es wäre der erste, den die amerikanische Luftwaffe an einen der jungen, wilden Player im US-Luft- und Raumfahrtgeschäft vergeben würde.

Musks SpaceX dürfte den Zuschlag für den Start eines Militärsatelliten im Jahr 2018 bekommen, berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Unternehmen habe als einziges fristgerecht bis Montag ein Angebot für die Ausschreibung eingereicht. Der einzige mögliche Mitbewerber dagegen, die United Launch Alliance (ULA), hinter der die US-Konzerne Boeing Börsen-Chart zeigen und Lockheed Martin stehen, müsse passen.

Der Grund: Das Gemeinschaftsunternehmen, das bereits mehr als 100 vergleichbare Starts für das US-Militär auf dem Konto hat, kann plötzlich kein konkurrenzfähiges Angebot mehr auf den Tisch legen. Die von ULA eingesetzte Rakete Atlas 5 ist aus dem Rennen, weil sie mit einem Antrieb namens RD-180 ausgestattet ist.

Diesen Antrieb wiederum bezieht die ULA aus Russland - und genau das verstößt vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts und der Wirtschaftssanktionen gegen Russland aller Wahrscheinlichkeit nach in Kürze gegen US-Recht. Ein entsprechendes Gesetz durchläuft gegenwärtig die amerikanische Legislative.

SpaceX fliegt deutlich günstiger

Auftritt also Elon Musk. Der visionäre Unternehmer, der mit der Gründung des Online-Bezahldienstes Paypal reich geworden war, hat hart darum gekämpft, mit seiner Firma SpaceX im Wettbewerb um lukrative Militäraufträge gegen die etablierten Konzerne antreten zu dürfen. Laut Bloomberg hat der Markt ein geschätztes Volumen von 70 Milliarden Dollar allein bis 2030.

Erst im Mai dieses Jahres war der Streit beigelegt worden, als das Militär SpaceX zu den Ausschreibungen zuließ. Der jetzt zu vergebende Start eines GPS 3 Satelliten in drei Jahren ist dem US-Blog Ars Technica zufolge seitdem die erste Ausschreibung.

Zusätzlich bitter für ULA: Das Joint Venture arbeitet zwar an einer neuen Rakete ohne russisch-stämmigen Antrieb. So soll die nächste Generation namens Vulcan mit Triebwerken des Typs BE-4 aus dem Hause Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos ins All geschossen werden.

Diese Entwicklung wird aber in der erforderlichen Zeit wohl nicht mehr fertig werden. Laut Ars Technica schätzen Verantwortliche den ersten Teststart einer Vulcan-Rakete auf das Jahr 2019. Ein echter Einsatz sei vermutlich erst viel später möglich.

Hinzu kommt das Kostenproblem: Auch ULA verfügt Ars Technica zufolge über eine alternative Rakete mit US-amerikanischem Antrieb. Ein Start der Delta 4 sei jedoch noch teurer, als der ebenfalls schon vergleichsweise kostspielige Start einer Atlas 5-Rakete.

Mit SpaceX jedenfalls können beide Modelle bei den Kosten offenbar nicht mithalten. Laut Bloomberg will Musks Firma ihre Transportflüge mit der Falcon-Rakete für weniger als 100 Millionen Dollar je Trip anbieten. Das Boeing-Lockheed-Unternehmen dagegen berechne stets 160 Millionen Dollar oder mehr.

Gute Aussichten also für SpaceX. Sollte das Unternehmen den Zuschlag für den Auftrag tatsächlich erhalten, hätte Elon Musk allerdings noch einiges zu tun. Der letzte Start einer Falcon 9 endete im Juni dieses Jahres im Desaster. Die unbemannte Rakete explodierte bereits wenige Minuten nach dem Start und löste sich in einem Feuerball auf. Seitdem hat bislang keine Falcon erfolgreich abgehoben.

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