Samstag, 16. Dezember 2017

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Sheryl Sandberg nach dem Tod ihres Mannes "Lass mich nicht sterben, obwohl ich noch lebe"

Sandberg und Goldberg waren seit 2004 verheiratet, sie haben einen Sohn und eine Tochter. Hier ist das Paar im Juli 2014 im Silicon Valley zu sehen.

Wir kennen sie kontrolliert, offene Worte abseits von Floskeln und Sprachprotokollen sind bei ihnen die große Ausnahme. Gefühle, Emotionen und expressive Gesten sind für Top-Manager meist tabu. Sheryl Sandberg war schon immer ein bisschen anders. Wer die Vorträge der Facebook-Topmanagerin gehört hat, weiß, dass auch sie nicht spontan, sondern perfekt vorbereitet waren. Sie waren aber nicht spröde, sondern gewitzt, gepaart mit Selbstironie, schlicht, auf den Punkt gebracht.

Wer Sandbergs Bestseller "Lean in" gelesen hat, ein Buch, das Frauen im Beruf ermutigen soll und auch für Männer äußerst lehrreich ist, der wird auch wissen, dass Sandberg immer auch die Tür ins Private ein Stück geöffnet hat. Das mag sogar unabhängig davon sein, dass sie Top-Managerin eines Online-Netzwerkes ist, das öffentliches Teilen wünscht und davon profitiert.

Nach dem Tod ihres Mannes Dave Goldberg vor vier Wochen hatte sie sich schon einmal über das Unglück geäußert. Goldberg sei ihr Fels in der Brandung gewesen. Der Vorstandschef des Online-Umfrageinstituts "SurveyMonkey" war beim Sturz von einem Laufband im Urlaub in Mexiko tödlich verunglückt. Sandberg, nun mit 45 Witwe und Mutter zweier junger Kinder, versucht nun weiterzuleben.

In einem bemerkenswerten Post hat sie nun via Facebook Börsen-Chart zeigen Einblick in ihren Ausnahmezustand gegeben. Anlass war Shloshim, im jüdischen Glauben ein Gedenktag dreißig Tage nach der Beerdigung. Sie zitiert das einzeilige jüdische Gebet. "Lasse mich nicht sterben, obwohl ich noch lebe". Niemals zuvor habe sie das Gebet verstanden. Nach Daves Tod tue sie es.

"Du kannst dich fallen lassen ... oder versuchen, einen Sinn zu finden"

"Ich denke, nach einer Tragödie steht man vor einer Wahl. Du kannst dich in ein Loch fallen lassen; der Leere in deinem Herz, in deinen Lungen nachgeben, die dir deine Fähigkeit zu denken und zu atmen raubt. Oder du kannst versuchen, einen Sinn zu finden."

In den vergangenen 30 Tagen habe sie sich häufig in ein Loch fallen lassen, schreibt Sandberg. Und auch in Zukunft werde es Momente geben, in denen die Leere sie vereinnahmen werde. "Aber wenn ich kann, will ich das Leben wählen und den Sinn." Sie habe in den vergangenen 30 Tagen 30 Jahre gelebt. "Ich bin 30 Jahre trauriger. Ich fühle mich 30 Jahre klüger."

Sie habe ein noch tieferes Verständnis dafür bekommen, was es bedeute, Mutter zu sein - durch die Qual, wenn ihre Kinder schreien und weinen würden und durch die Verbindung mit ihrer Mutter. Diese habe sie selbst jeden Abend umarmt, während sie sich in den Schlaf geweint habe. "So sehr mein Herz auch gebrochen ist - ich sehe jeden Tag meine Kinder an und freue mich, dass sie am Leben sind. Ich weiß jedes Lächeln, jede Umarmung zu schätzen. Ich nehme nicht mehr jeden Tag als gegeben hin."

Die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz habe ihr sehr geholfen, schreibt Sandberg. Es sei eine Chance, sich wieder nützlich und verbunden zu fühlen. Allerdings sei ihr auch bewusst geworden, dass sich die Begegnungen verändert hätten. Ihr Mitarbeiter hätten Furcht in den Augen gehabt, wenn sie in der Nähe gewesen sei. Sie hätten nicht gewusst, was sie sagen sollten, wie sie mit ihr umgehen sollten. Es sei eben etwas Unaussprechliches im Raum gewesen. "Mir wurde bewusst, dass ich mich öffnen musste, um die Nähe zu meinen Kollegen, die mir immer so wichtig war, wiederherzustellen", schreibt Sandberg. Sie habe um ehrliche Fragen gebeten, ihre Mitarbeiter sollten ihr ihre Gefühle mitteilen, wenn sie das Bedürfnis hätten. Das habe allen schließlich geholfen.

Ihr selbst sei bewusst geworden, dass sie nie gewusst habe, was man Menschen in Not wirklich sage. Sie glaubt, sie habe alles falsch gemacht, indem sie manchmal gesagt habe, es würde schon alles wieder werden. Heute sei ihr klar, dass es wichtig sei, anzuerkennen, wenn etwas nicht okay sei.

Sie sei dankbar für die Hilfe ihrer Familie und Freunde. Neulich habe es eine Vater-Kind-Veranstaltung gegeben, ein Freund habe einspringen müssen. Sie habe geweint, schreibt Sandberg. "Aber ich will Dave. Ich will Option A", habe sie gesagt. Er umarmte sie und sagte: "Option A gibt es nicht. Also lass uns das Beste aus Option B herausholen."

Am Ende des langen Beitrags wendet sich Sandberg direkt an ihren verstorbenen Mann: "Dave, um dein Andenken in Ehren zu halten und um deine Kinder so großzuziehen, wie sie es verdienen, werde ich alles dafür tun, das Beste aus Option B herauszuholen."

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