Freitag, 14. Dezember 2018

Schwarze Kassen in Lateinamerika Wie Panama-Leaks bei Siemens alte Wunden wieder aufreißt 

Keine Ruhe: Für Siemens-Chef Joe Kaeser wird der abgeschlossen geglaubte Schmiergeldskandal wieder zum Thema

Beim Münchener Siemens-Konzern flog vor annähernd zehn Jahren mit einer Großrazzia der größte Korruptionsskandal auf, den die deutsche Wirtschaft bislang erlebt hat - kein Wunder also, dass der Name des Unternehmens auch im Zusammenhang mit den Panama Papers erneut in die Schlagzeilen gerät. Schließlich sind geheime Offshore-Firmen ein probates Vehikel zur Abwicklung schwarzer Zahlungen, wie sie bei Siemens Börsen-Chart zeigen offenbar jahrelang gang und gäbe waren.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") berichtet, bringen die sogenannten Panama Papers Aspekte des Siemens-Schmiergeldskandals ans Licht, die auch den dafür zuständigen Münchener Ermittlungsbehörden bislang nicht bekannt waren.

Neu sei beispielsweise, dass die Kanzlei Mossack Fonseca in Panama ein wichtiger Partner von Siemens gewesen sei und mehrere Briefkastenfirmen betreute. Zudem haben Siemens-Leute solche geheimen Firmenhüllen offenbar noch Jahre nach dem Auffliegen des Skandals für private Zwecke genutzt.

Siemens-Manager sollen Firmenhüllen auch später noch genutzt haben

Einer der Kunden von Mossack Fonseca aus dem Hause Siemens war der "SZ" zufolge ein ehemaliger Manager namens Hans-Joachim K., der mehrere Jahrzehnte lang für das Unternehmen in wichtigen Funktionen vor allem in Lateinamerika tätig war. K. habe bei der Aufdeckung des Schmiergeldskandals mit den Behörden kooperiert und sei dafür von diesen quasi mit einem Persilschein ausgestattet worden. Abgesehen von einer Geldauflage von 40.000 Euro sei er straffrei davongekommen, so die "SZ". Da waren aber noch nicht die Dinge bekannt, über die die Zeitung jetzt berichtet.

Nach der Recherche in den "Panama Papers" stelle sich nun heraus, dass K. den Münchener Behörden sowie seinem früheren Arbeitgeber womöglich doch nicht alles offengelegt habe, so die "SZ". Die Rede ist von mehr als zwei Millionen US-Dollar, die in private Kanäle geflossen sein sollen. Zudem berichtet die "SZ" von einem weiteren Ex-Siemensianer, der sich angeblich mithilfe von Mossack Fonseca noch ab 2009 nach und nach 630.000 Dollar aus dem Schwarzgeldsystem des Konzerns besorgt haben soll.

Aufgeflogen war der Siemens-Skandal indes bereits im November 2006. Da kam heraus, dass bei Siemens jahrelang über ein Geflecht schwarzer Kassen rund 1,3 Milliarden Euro an Schmiergeld geflossen waren. So sollten dem Unternehmen Auslandsaufträge beschafft werden. Staatsanwaltschaft, Gerichte und weitere Ermittler waren jahrelang mit der Aufklärung beschäftigt, etliche Manager auch aus Vorstand und Aufsichtsrat verloren ihre Jobs.

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