Montag, 11. Dezember 2017

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Stellenabbau in der Kraftwerk-Sparte Entlassungen bei Siemens möglich - erstmals seit 2008

Gasturbinen-Produktion bei Siemens: Erbitterter Preiskampf mit GE und Mitsubishi

Das Siemens-Management will laut Unternehmenskreisen bei den Verhandlungen über einen massiven Stellenabbau in der Kraftwerks-Sparte auf die Arbeitnehmer zugehen. Siemens Börsen-Chart zeigen sei zu Abstrichen bei der Rendite bereit, sagte ein hochrangiger Manager am Montagabend in München. "Vielleicht muss man einen Prozentpunkt Marge aufgeben, wenn man den Leuten dafür eine Perspektive geben kann." Es gehe um einen solidarischen Ausgleich der Interessen von Aktionären und Belegschaft.

Siemens werde aber angesichts der Dimension der Kürzungen wohl nicht um betriebsbedingte Kündigungen herumkommen - erstmals seit Jahren. "Es geht um nennenswerte Kapazitätsanpassungen, um große Einschnitte", sagte der Insider.

Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern sollen in der zweiten November-Hälfte beginnen. Die Gewerkschaft IG Metall hat bereits Widerstand gegen die Pläne angemeldet. Personalchefin Janina Kugel hatte Entlassungen bereits in der vergangene Woche nicht ausgeschlossen.

"Wir werden das Kleingedruckte diesmal auch anwenden müssen"

Entlassungen sind bei Siemens Börsen-Chart zeigen seit 2010 nur dann möglich, wenn IG Metall und Betriebsrat zustimmen. "Wir werden das Kleingedruckte diesmal auch anwenden müssen. Wir haben eine Menge Ideen, aber das geht nur miteinander", betonte der Insider.

Einige der Standorte im Osten Deutschlands könnten bei dem bevorstehenden Stellenabbau durch Verlagerungen aus anderen Werken gerettet werden, sagte der Manager. Teil der Überlegungen sei es, Arbeitsplätze aus Ballungsräumen abzuziehen, um Werke wie Erfurt oder Görlitz nicht aufgeben zu müssen.

Östliche Bundesländer am stärksten betroffen

Die östlichen Bundesländer wären von den Streichungsplänen am stärksten betroffen. Die Sparte "Power & Gas", in der Siemens vor allem große Gas- und Dampf-Turbinen für fossile Kraftwerke baut, leidet massiv unter der Energiewende.

Manager Magazin hatte bereits vor Wochen exklusiv berichtet, dass in Deutschland 3000 bis 4000 von rund 8000 Arbeitsplätzen in der Produktion in Gefahr sind, darunter auch ganze Standorte. Insgesamt beschäftigt die Sparte in Deutschland 16.100 Menschen.

Siemens erwägt Job-Verlagerungen nach Ostdeutschland

Siemens erwägt beim geplanten Stellenabbau in der Kraftwerkssparte auch die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Ostdeutschland. Am Ende des Tages werde es darauf ankommen, eine gewisse Solidarität zwischen Beschäftigten und Anteilseignern zu schaffen, hieß es am Montagabend aus Konzernkreisen.

Über bis zu 4000 bedrohte Arbeitsplätze wird spekuliert. Auch mögliche Standortschließungen sind im Gespräch, so etwa für eine Fabrik im sächsischen Görlitz. Siemens-Personalchefin Janina Kugel hatte angekündigt, dass die Details Mitte November mit den Arbeitnehmern im Wirtschaftsausschuss besprochen werden sollen.

Den Vorwurf des Wortbruchs, den die IG Metall erhebt, will der Dax -Konzern allerdings nicht gelten lassen. Die Gewerkschaft sieht in den Plänen einen Angriff auf die bei Siemens geltenden Vereinbarungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Das Unternehmen verweist hingegen auf eine Klausel in dem Pakt, wonach sich Firmenseite und Arbeitnehmer zusammensetzen und nach Lösungen suchen können, falls alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Bei der Möglichkeit, bestimmte Aufgaben in strukturschwächere Regionen zu verlagern, gehe es aber nicht darum, Standorte gegeneinander auszuspielen, hieß es aus den Konzernkreisen.

Nachfrage schrumpft - Trend zur dezentralen Energieversorgung

Noch leisten viele Siemensianer in der Sparte Überstunden, der Konzern sitzt auf Aufträgen im Wert von fast 40 Milliarden Euro. Doch der Weltmarkt schrumpft angesichts des Trends zur dezentralen Energieversorgung dramatisch. Wurden 2011 noch fast 250 große Gasturbinen mit einer Leistung von mehr als 100 Megawatt verkauft, sind es in diesem Jahr nur rund 120. Bis 2020 wird sich der Markt auf 110 Turbinen pro Jahr einpendeln, glaubt Siemens.

Doch allein der Münchner Industriekonzern könnte 130 davon produzieren, und der krisengeschüttelte US-Rivale General Electric Börsen-Chart zeigen ist bei Turbinen doppelt so groß. Den Preiskampf mit Siemens Börsen-Chart zeigen und der japanischen Mitsubishi haben die Amerikaner zuletzt allerdings mit einem Rendite-Einbruch gezahlt. Die Weltmarktpreise sind um 30 Prozent gesunken. Zudem lassen sich die meisten Kraftwerke heute in Asien und Afrika verkaufen und nicht in Deutschland.

la/reuters/dpa

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