Sonntag, 26. Juni 2016

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Siemens hebt Gewinnprognose an Kaeser versöhnt Investoren - Aktie springt

Siemens-Chef Joe Kaeser: "Wir haben ein starkes Quartal geliefert und sind mit der Umsetzung unserer Vision 2020 auf gutem Weg"

Für Siemens läuft es trotz des wirtschaftlichen Gegenwinds in vielen Teilen der Welt besser als erwartet. Der Münchener Industriekonzern hat nach einem starken Jahresauftakt seine Gewinnprognose angehoben. Die Investoren zeigten sich begeistert: Die Aktie legte in einem schwachen Marktumfeld gegen den Trend zu und baute die Gewinne bis zum Mittag auf mehr als 7 Prozent aus.

SocGen-Analyst Alasdair Leslie sprach von einem "soliden Zahlenwerk", aus dem die Healthcare-Sparte herausgeragt habe. Analystin Daniela Costa von Goldman Sachs hob nach den Zahlen für das erste Geschäftsquartal ihr Kursziel um 4 auf 88 Euro an, nachdem sie zuvor ihre Gewinnerwartungen überarbeitet hat. Siemens habe besser als erwartet abgeschnitten. So sieht es auch UBS-Analyst Fredric Stahl und belässt den Wert auf "Kaufen".

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"Wir haben ein starkes Quartal geliefert und sind mit der Umsetzung unserer Vision 2020 auf gutem Weg", sagte Konzernchef Joe Kaeser am Montagabend. Für die am heutigen Dienstag anstehende Hauptversammlung gibt ihm der geschäftliche Erfolg kräftigen Rückenwind.

Kaeser und Finanzchef Ralf Thomas rechnen für jede Siemens-Aktie im Geschäftsjahr 2015/16 nun mit einem Gewinn von 6,00 bis 6,40 Euro, wie das Dax-Unternehmen mitteilte. Bislang standen 5,90 bis 6,20 Euro im Plan. Die Aussichten für den Jahresgewinn hätten sich verbessert, "obwohl die makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen unsere Märkte weiterhin belasten", erklärte Kaeser.

Zusammen mit dem niedrigen Ölpreis hatte zuletzt ein langsameres Wirtschaftswachstum in China für Turbulenzen an den Börsen gesorgt - und auch viele Unternehmen in Deutschland skeptischer in die Zukunft blicken lassen: Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands am stärksten beachteter Frühindikator, fiel im Januar im Vergleich zum Vormonat.

Die Zahlen liefern Kaeser nun starke Argumente, wenn er vor die Aktionäre tritt. Der Aktienkurs lässt seit längerem zu wünschen übrig - trotz milliardenschwerer Rückkaufprogramme. Auch an Kaeser selbst gab es zuletzt Kritik, weil er den US-Ölzulieferer Dresser-Rand für Milliarden einkaufte - kurz bevor der Ölpreis auf Talfahrt ging und nun die Geschäfte mit der Öl- und Gasbranche runterzieht.

Die Geschäfte im ersten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember liefen insgesamt deutlich besser als gedacht: Dank Großbestellungen stieg der Auftragseingang im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel auf 22,8 Milliarden Euro. Insbesondere Teile eines Großauftrags aus Ägypten zur Lieferung von Gas- und Windkraftwerken schlugen sich darin nieder. Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf 18,89 Milliarden Euro. Auch ohne Hilfe durch den schwachen Euro und Zukäufe wäre es noch um 1 Prozent nach oben gegangen.

Das operative Ergebnis im Industriegeschäft legte um 10 Prozent auf 1,99 Milliarden Euro zu, was auch die wichtigen operative Ergebnismarge auf 10,4 Prozent steigen ließ. An dieser Kennzahl bemisst Siemens maßgeblich den eigenen Erfolg - auf Jahressicht soll sie zwischen 10 und 11 Prozent liegen. Unter dem Strich stand ein kräftiges Plus: Der Nettogewinn zog um 42 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro an - im Vorjahr hatten Sonderfaktoren abseits des Industriegeschäfts belastet.

Siemens schlug damit die Erwartungen von Analysten. Ein Aktienhändler sprach in einer ersten Reaktion am Montagabend von starken Zahlen der Münchener. Die Siemens-Aktie Börsen-Chart zeigen stieg nachbörslich beim Broker Lang & Schwarz um 2,4 Prozent.

Zukauf soll digitales Wachstum befeuern

Und Siemens baut weiter um: Für 970 Millionen US-Dollar schluckt der Konzern den US-Softwarespezialisten CD-adapco. "Als Teil der Vision 2020 treibt Siemens mit der Übernahme von CD-adapco das Wachstum im digitalen Geschäft voran", erklärte Vorstandsmitglied Klaus Helmrich.

Kaeser hat im radikalen Konzernumbau das Ziel ausgerufen, konsequent attraktive Wachstumsfelder zu beackern. Die Software der Amerikaner sitzt an der Schnittstelle zwischen Automatisierung und Digitalisierung: Sie simuliert unter anderem die Vorgänge in Maschinen.

Die Übernahme soll in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres abgeschlossen werden. Die Software-Firma erwirtschaftete den Angaben zufolge zuletzt mit gut 900 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von knapp 200 Millionen Dollar.

rei/ts/la/dpa-afx

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