Sonntag, 21. Oktober 2018

Gespräche mit Siemens Alcatel-Lucent will Firmenkunden loswerden

Zentrale in Velizy: Alcatel-Lucent will eine Milliarde Euro allein durch den Verkauf von Unternehmensteilen einnehmen

Alcatel-Lucent will sein Firmenkundengeschäft losschlagen. Dazu verhandelt der französische Telekomausrüster laut einem Bericht mit Unify, einem Joint Venture aus Siemens und dem US-Finanzinvestor Gores Group. Doch es gibt noch weitere Interessenten.

Hamburg - Der französische Telekomausrüster Alcatel-Lucent will sein Firmenkundengeschäft losschlagen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf drei mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtet, führt Alcatel-Lucent bereits Gespräche mit Unify, einem Joint Venture von Siemens Börsen-Chart zeigen und dem US-Finanzinvestor The Gores Group.

Allerdings ist Unify nicht der einzige Interessent: Auch ein Industriekonzern, der nicht aus den USA kommt, sowie ein chinesischer Investor hätten ein Auge auf das Firmenkundengeschäft geworfen, hieß es in dem Bericht. Weder Alcatel-Lucent noch eins der interessierten Unternehmen wollten dazu Stellung nehmen.

Aktien von Alcatel-Lucent Börsen-Chart zeigen stiegen nach Bekanntwerden der Verhandlungen um mehr als 5 Prozent.

Die potenziellen Käufer bereiteten derzeit Offerten für die zweite Bieterrunde vor. Mit einer Entscheidung sei demnach bis März zu rechnen. Das Firmenkundengeschäft, mit dem Alcatel-Lucent Telekomausrüstung an Unternehmen verkauft, könnte etwa 250 Millionen Euro wert sein. Im Geschäftsjahr 2012 setzte die Sparte 764 Millionen Euro um.

Der Verkauf des Firmenkundengeschäfts würde es Alcatel-Lucent erlauben, sich stärker auf das profitablere Geschäft mit Hochgeschwindigkeitsangeboten im Mobilfunk und Festnetz zu konzentrieren. Weltweit halten sich derzeit Unternehmen mit Investitionen in Telekommunikationsanlagen zurück.

Derzeit fährt Alcatel-Lucent ein rigides Sparprogramm: Bis 2015 sollen insgesamt 15.000 Jobs wegfallen. Zudem will Konzernchef Michel Combes insgesamt eine Milliarde Euro durch den Verkauf von Unternehmensteilen einsparen. Erst im Dezember hatte Alcatel-Lucent seine Satellitenkommunikationssparte LGS Innovations für rund 200 Millionen Euro an die US-Regierung verkauft.

Im November hatte der Konzern zudem angekündigt, über eine Kapitalerhöhung bis zu einer Milliarde Euro einnehmen zu wollen.

Unify gehört zu 51 Prozent dem Finanzinvestor The Gores Group, die restlichen Anteile liegen bei Siemens. Von der Übernahme des Firmenkundengeschäfts von Alcatel-Lucent verspricht sich das Joint Venture Zugang zu Absatzmärkten - insbesondere, um selbst attraktiver für neue Investoren zu werden.

ts

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