Montag, 20. November 2017

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Sharing-Economy-Debakel Startup vermisst 300.000 Regenschirme

Schlag ins Wasser: Regenschirm-Sharing in China

Kaum ein Gegenstand geht so schnell und zuverlässig verloren wie ein Regenschirm. Diese Erfahrung hat jetzt auch ein chinesisches Startup gemacht, und zwar im ganz großen Stil. Das Unternehmen Sharing E Umbrella vermisst 300.000 Schirme, die es in elf Städten verteilt hatte und eigentlich nur gegen Gebühr verleihen wollte.

Doch bei diesem Plan ist die ansonsten in China allgemein boomende Sharing Economy an ihre Grenzen geraten. Den Nutzern war es offenbar zu unbequem, die Schirme nach Gebrauch wieder aus der Wohnung an einen öffentlichen Ort zurückzubringen.

"Wir hatten gedacht, man kann alles auf der Straße teilen", erläuterte Firmengründer Zhao Shuping laut "South China Morning Post" seine ursprüngliche Motivation. Inspiriert hatten ihn und seine Mitstreiter der Erfolg von Fahrrad-Teilsystemen.

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Nutzer mussten einen Code am Griff des Schirms mit dem Smartphone scannen und so vier Ziffern für das integrierte Zahlenschloss abrufen. Die Benutzung kostet sechs Cent pro halbe Stunde.

Doch obwohl ein Pfand von 2,50 Euro zu entrichten war und die Schirme mit einem GPS-Tracker ausgestattet sind, tauchte der Großteil nicht wieder auf. Den Verbleib im Einzelfall zu untersuchen oder die Gebühren einzutreiben, scheint dem Unternehmen zu aufwändig zu sein.

Da die Schirme jeweils etwa einen Wert von knapp acht Euro haben, erweist sich das Leihmodell bisher als Schlag ins Wasser für Shuping. Doch der Firmengründer will nicht aufgeben, sondern die Geduld der Investoren testen, nachdem er im Mai bereits 1,25 Millionen Euro eingesammelt hatte: Bis zum Ende des Jahres sollen 30 Millionen Leih-Schirme über ganz China verteilt sein.

Wie er die Nutzer motivieren möchte, die Schirme zurückzubringen, verriet Shuping noch nicht.

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