Montag, 24. September 2018

Image-GAU Werft euch in den Staub!

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2. Teil: Ashley Madison: Doppelter Betrug

Das weltweit operierende Seitensprungportal Ashley Madison ("Life is short. Have an affair.") hat seine Reputation nur auf den ersten Blick durch die Cyberattacke vom Sommer 2015 eingebüßt, bei welcher prekäre Nutzerdaten in großem Umfang im Darknet veröffentlich worden waren. Der von dem Hackerangriff aufgewirbelte Staub brachte vielmehr ans Licht, dass Ashley Madison seine Kunden in zweierlei Hinsicht betrogen hatte: Zum einen waren Kundenkonten nicht vollständig gelöscht worden, obwohl die Mitglieder für diese Sonderleistung zusätzlich bezahlt hatten.

Dies allein ermöglichte erst die Bloßstellung zahlreicher treuloser Abenteurer. Zwei von ihnen begingen am Ende sogar Suizid. Zum anderen stellte sich heraus, dass die balzwilligen männlichen Mitglieder überwiegend mit Robos gechattet hatten und nicht mit Frauen menschlicher DNA. Es darf spekuliert werden, ob der Erfolg dieser Strategie der Komplexität der zugrundeliegenden Kommunikationsalgorithmen oder der Schlichtheit der Dialoge geschuldet war.

In der Folge war der vom Management geplante Börsengang in London, bei dem immerhin 200 Millionen US-Dollar eingesammelt werden sollten, schlagartig vom Tisch. Die Wettbewerbsbehörde und das FBI nahmen Ermittlungen auf, Kunden stießen Sammelklagen in Höhe von 600 Millionen Dollar an, die Neukundenakquisition läuft derzeit über Gratisaccounts. Zwar trennte sich das Unternehmen von seinem CEO (namens Biderman), fiel aber sonst nicht gerade durch Demut auf. Die Kommunikation mit der Öffentlichkeit zielte mehr auf das Verteufeln der Hacker als auf die eigenen Verfehlungen ab.

Doch nicht nur für Banken, auch für Seitensprungportale gilt: Wenn Dein Geschäftsmodell auf Vertrauen beruht, zeichnet sich eine suboptimale Strategie dadurch aus, ebendies und damit die Fortführung des Unternehmens leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Oder wie der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Robert Ehret es kürzlich in der "Zeit" ausdrückte: "Mit einer Bank ist es wie mit den Mädchen. Wenn der Ruf ruiniert ist, bekommt man das nicht mehr hin."

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