Samstag, 21. Oktober 2017

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Konzerne planen Güterverkehr-Revolution Gigantisches Tunnelsystem soll die Schweiz durchlöchern

Cargo Sous Terrain: So funktioniert das Schweizer Tunnel-Projekt
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Cargo sous terrain

Gar nicht einfach, das Tunnelbauen: In Rastatt sind dabei gerade Gleise eingebrochen, mit Riesenproblemen für den Güterverkehr bis in die Alpen. Die Schweizer sind darin Meister. Sie planen gerade ein gigantisches Tunnelprojekt für den Güterverkehr.

Bescheiden ist der Schweizer Logistikexperte Peter Sutterlüti nicht gerade. "Wir wollen der Welt zeigen, wie man die Logistik der Zukunft macht", sagt der Chef des ambitionierten Cargo Sous Terrain-Projektes.

Die Vision ist verwegen: ab 2045 sollen Millionen Tonnen Güter wie Tiefkühlpizzen, Rasenmäher, Lippenstifte, Baustoffe, Brot oder Käse unterirdisch durch die Schweiz an ihren Bestimmungsort gelangen. Geplant ist ein 450 Kilometer langes Tunnelsystem, das die Städte innerhalb der Schweiz verbindet.

Das Schicke: So ein Netz könne 40 Prozent des Güterverkehrs von der Straße übernehmen, glauben die Macher des Vereins Cargo Sous Terrain. Der französische Name heißt übersetzt etwa: unterirdische Fracht. In etwa 50 Metern Tiefe sollen elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf Induktionsschienen laufen.

An der Tunneldecke soll eine Seilbahn leichtere Fracht befördern, zum Beispiel Briefe und Pakete. Die geschätzten Kosten: 33 Milliarden Franken (rund 28,8 Milliarden Euro).

Die Regierung steht dahinter und hat ein Gesetz versprochen, das grünes Licht für den Bau geben würde, sobald die Investitionskosten für die Planung des ersten Teilstücks gesichert sind. Die Finanzierung soll privat erfolgen. Beteiligt am Verein sind neben der Post auch die beiden größten Einzelhandelsketten Migros und Coop sowie Versicherungen, die Ware versichern.

Die erste Teilstrecke des Tunnels von Zürich zur "Lagerhalle der Nation" ist in Planung. So heißt das Mittelland zwischen den Alpen und dem Jura-Gebirge, etwa je 60 Kilometer von den Städten Bern, Basel, Zürich und Luzern entfernt. Es ist ein Knotenpunkt für die gesamte Güterverteilung. Die Post, die im Verwaltungsrat von Cargo Sous Terrain sitzt, hat dort, in Härkingen, ihr größtes Paketzentrum. Nebenan in Neuendorf steht das größte Logistikzentrum der Supermarkt-Kette Migros mit mehr als 80.000 Produkten.

"Mit dem Cargo Sous Terrain wird das feste Lager, wie wir es kennen, überflüssig, da das ganze System wie ein Lager in Bewegung ist - 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche", sagt Sutterlüti. "Und niemand bekommt etwas davon mit, weil es unterirdisch verläuft."

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