Mittwoch, 1. Juni 2016

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Netzagentur stärkt Deutsche Telekom und schwächt Rivalen Schnelles Internet kommt - und fordert Opfer

Vectoring-Technik (visualisiert auf der CeBIT): Turbo fürs Internet

Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Telekom den umstrittenen breiten Einsatz der sogenannten Vectoring-Technik erlauben, bei dem Kunden schnelleres Internet bekommen, aber zum Teil Anschlüsse von Wettbewerbern abgeklemmt werden sollen. Laut einem Entscheidungsentwurf soll es dem ehemaligen Staatsmonopolisten damit möglich werden, Konkurrenten unter bestimmten Bedingungen vom Zugang zur sogenannten letzten Meile der Anschlussleitung auszuschließen, wie die Regulierungsbehörde am Montag in Bonn mitteilte.

Konkret handelt es sich um den Nahbereich im Umfeld von Hauptverteilern, in dem die Telekom ihr Netz mit der schnelleren Vectoring-Technik aufrüsten will. Mit ihr sind - zumindest theoretisch - Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit pro Sekunde im herkömmlichen Kupfernetz möglich.

Der Bonner Konzern will nach früheren Informationen auf diese Weise weitere 5,9 Millionen Haushalte mit schnellerem Internet versorgen. Dafür müssten aber 135.000 schnelle VDSL-Anschlüsse von Konkurrenten gekappt werden, da die beiden Technologien in den Hauptverteilern nicht kompatibel seien.

Es ist eine der wichtigsten Regulierungsentscheidungen in der Branche seit Jahren. Ganz überraschend kommt sie allerdings nicht, da es der Bundesregierung nach Aussage von Experten schwer fallen dürfte, ohne den Internet-Turbo Vectoring ihre Ziele für den Breitbandausbau zu erreichen. Bis 2018 soll jeder Haushalt mit mindestens 50 Megabit im Internet surfen. Derzeit sind es nach Messungen des Technologiekonzerns Akamai im Schnitt 10,7 Mbit/s. Damit rangiert Deutschland unter den Länder mit den schnellsten Internet-Anschlüssen auf Platz 24 - weit hinter Rumänien oder Dänemark.

Das Vorhaben der Telekom hatte für heftige Kritik von Konkurrenten gesorgt. In einem Konsultationsverfahren können sich Betroffene noch zu dem Entwurf äußern, hieß es am Montag. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, bezeichnete den Entwurf als "fairen Kompromiss".

"Inhaltlich geht es uns darum, dass der Breitbandausbau vorangetrieben wird", sagte er laut Mitteilung. Auch künftig solle ein chancengleicher Wettbewerb zum Nutzen der Verbraucher sichergestellt bleiben. Wettbewerber der Telekom können auch künftig weiter Zugang zur "letzten Meile" im Nahbereich erhalten, wenn sie sich dort bisher stärker als die Telekom bei der Erschließung von Schaltkästen mit DSL engagiert haben.


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ts/dpa/Reuters

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