Montag, 20. November 2017

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Sag leise Servus Schlecker-Zweitmarke Ihr Platz steht vor dem Aus

Fünf Jahre nach der Pleite des Drogerieriesen Schlecker und wenige Tage vor Beginn des spektakulären Strafprozesses gegen die einstige Inhaberfamilie droht auch der ehemaligen Tochter Ihr Platz das Aus. Statt krachend mit der dritten Pleite in einer bewegten Geschichte kommt das wohl endgültige Ende diesmal schleichend.

Eigentümer der Marke ist die Für Sie eG, eine Einkaufsgenossenschaft von Deutschlands zweitgrößtem Lebensmittelhändler Rewe. Das Kölner Unternehmen hat die Markenrechte 2012 aus der Schlecker-Insolvenzmasse erworben und wollte Ihr Platz gemeinsam mit rund 40 verbliebenen Franchise-Nehmern wieder aufleben lassen. Bereits ein Jahr später betrieben 60 Vertragspartner über 70 Märkte. Und so hoffte Geschäftsführer Mark Pohl, Ende 2015 rund 150 Standorte am Netz zu haben. Zumal an Interessenten kein Mangel bestand.

Gefördert von Gewerkschaften und Lokalpolitikern wagten viele als "Schlecker-Frauen" berühmt gewordene frühere Angestellte des untergegangenen Drogerieimperiums den Schritt in die Selbstständigkeit. Ausgezahlt hat sich der Mut selten. Die meisten Initiatoren von Schlecker-Nachfolgekonzepten erlitten Schiffbruch. Nun holt auch Für Sie die Realität ein.

Abschied von der Kamillenblüte

Die Konkurrenz mit den rasant gewachsenen Filialisten dm und Rossmann ist brutal: "Potenzial für Ihr Platz wurde vor allem abseits der Ballungsräume in kleineren Städten und auf dem Land gesehen. Hier waren die großen Drogeriemärkte damals nicht übermäßig aktiv. Das hat sich geändert", räumt ein Sprecher ein. "Demzufolge hat sich gezeigt, dass das Ihr Platz-Franchisekonzept bei Preis, Einkauf und auf der Absatzseite im Wettbewerb im Nachteil ist."

Die Folge: Ihr Platz schrumpfte auf heute nur noch rund 15 Märkte zusammen. Ebenso still und heimlich wie konsequent wurde die Idee eines Franchise-Konzepts aufgegeben und Ende vergangenen Jahres endgültig beerdigt. Partner, die immer noch auf Ihr Platz setzen, dürfen die Marke gegen Gebühr zwar weiter nutzen, doch davon Gebrauch machen immer weniger.

Im Laufe des Jahres, so schätzen Insider, könnte das Logo mit der Kamillenblüte, das Schlecker einst als Hoffnungsträger galt, endgültig vom Markt verschwunden sein.

Unsterblich, so scheint es, ist offenbar selbst Ihr Platz nicht. Nach der ersten Pleite 2005 kaufte Schlecker die seiner Zeit rund 700 Märkte umfassende Kette 2007 für 60 Millionen Euro von einem Konsortium um Goldman Sachs. Die Rückkehr in die schwarzen Zahlen schaffte allerdings auch Deutschlands einstiger Drogeriefürst nie. 2012 ging Ihr Platz im Zuge der Schlecker-Pleite erneut unter. Ab dem 6. März muss sich ihr früherer Inhaber vor dem Landgericht Stuttgart gegen den Vorwurf der Insolvenzverschleppung und des betrügerischen Bankrotts erwehren. Während Ihr Platz leise Servus sagt, drohen Schlecker bis zu zehn Jahre Haft.

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