Mittwoch, 14. November 2018

Schlecker-Prozess Verfahren gegen Wirtschaftsprüfer E&Y eingestellt

Die Drogeriemarktkette Schlecker ging 2012 pleite. Der Familie Schlecker wird Insolvenzverschleppung vorgeworfen

Das Verfahren gegen die beiden im Schlecker-Pleiteprozess mitangeklagten Wirtschaftsprüfer wird gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Die Prüfer des Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) hätten zwar mit den Abschlüssen der Drogeriemarktkette in den Jahren 2009 und 2010 formal gegen Bilanzierungsvorschriften verstoßen, erklärte ein Sprecher des Landgerichts Stuttgart am Dienstag. Doch dies sei ein rechtlicher Graubereich gewesen.

Im Falle einer Verurteilung wäre die Schuld so gering gewesen, dass dem öffentlichen Interesse an Strafverfolgung mit einer Geldauflage Genüge getan wäre. Die beiden Prüfer müssen 25.000 und 20.000 Euro für gemeinnützige Zwecke zahlen.

Dem EY-Bilanzexperten Lothar A. und seinem inzwischen pensionierten Kollegen Klaus M. hatten die Strafverfolger vorgeworfen, die falsche Bilanzierung des Hauptangeklagten Anton Schlecker zwar erkannt, aber dennoch die Jahresabschlüsse als einwandfrei testiert zu haben.

Christa Schlecker kommt vermutlich glimpflich davon

Der 72-jährige frühere Drogeriemarktkönig steht wegen Insolvenzverschleppung und vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätten stille Einlagen von Schleckers Kindern Lars und Meike und ein Darlehen der beiden an ihren Vater als Fremd- und nicht als Eigenkapital gebucht werden müssen.

Die Angeklagten hatten das zurückgewiesen. Zum einen sei die Bilanzierungsfrage unter Juristen umstritten. Zum anderen hätten sie keinen Einblick in Schleckers private finanzielle Verhältnisse gehabt, obwohl Person und Firma beim Einzelkaufmann identisch sind.

EY erklärte im Namen der Prüfer, deren Zustimmung zur Verfahrenseinstellung bedeute kein Schuldeingeständnis. Berichte und Bestätigungsvermerke seien vollständig zutreffend gewesen. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie halte an ihrem Tatvorwurf fest. Doch sei die Rechtsmaterie schwierig, es sei den Angeklagten nur ein bedingter Tatvorwurf zur Last zu legen.

Der Schlecker-Konzern ging 2012 pleite. Seit März läuft ein Bankrott-Verfahren gegen den früheren Firmenchef Anton Schlecker sowie dessen Frau Christa und ihre Kinder Meike und Lars - der Firmenchef soll mehr als 25 Millionen Euro an seine Familie verschoben haben.

Christa Schlecker kommt in dem Prozess vermutlich glimpflich davon. Gestern machte der Vorsitzende Richter deutlich, dass der Vorwurf der Beihilfe zum Bankrott auf Basis der bisherigen Zeugenaussagen nicht zu beweisen sei.

Auch die beiden Wirtschaftsprüfer saßen auf der Anklagebank, allerdings wurden die Vorwürfe gegen sie kürzlich in ein eigenes Verfahren übergeleitet. Für sie ist das gerichtliche Nachspiel der Schlecker-Pleite nun beendet.

mg, rtr/dpa-afx

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