Freitag, 30. September 2016

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Rekord bei ungenutzten Containerfrachern Schifffahrt sendet Alarmsignal an Weltwirtschaft

Containerfrachter im Hamburger Hafen: Derzeit so viel ungenutzter Frachtraum wie nie zuvor

Die Krise, die 2008 mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers und dem darauffolgenden Einbruch der Weltwirtschaft begann, hat die weltweite Containerschifffahrt bis heute nicht hinter sich gelassen. Im Gegenteil, nun zeigt sich: Die Situation der maritimen Wirtschaft ist möglicherweise prekärer als gedacht.

Darauf deuten Zahlen hin, die der Branchendienst "Alphaliner" veröffentlicht hat. Demnach ist die Menge an ungenutzter Frachtkapazität weltweit im März auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Containerschiffe mit einer Tragfähigkeit von insgesamt 1,57 Millionen 20-Fuß-Standard-Containern (TEU) lagen Anfang März ungenutzt in den Häfen rund um den Globus, so "Alphaliner". Das sind sogar mehr als auf dem bisherigen Tiefpunkt der Krise im Jahr 2009, als Schiffe mit zusammen 1,52 Millionen TEU "auflagen".

Zwar erscheinen die Zahlen weniger dramatisch, wenn sie ins Verhältnis zur gesamten Containerflotte gesetzt werden, die ja in der Zwischenzeit gewachsen ist. So beträgt der Anteil der nicht genutzten Kapazität am insgesamt zur Verfügung stehenden Frachtraum gegenwärtig knapp 8 Prozent, während es 2009 11,7 Prozent waren. Die Botschaft bleibt jedoch die gleiche: Die Branche befindet sich in einer höchst schwierigen Lage.

Es stellt sich die Frage, woran es liegt. Sind es die viel zitierten Überkapazitäten aufgrund zu viel bestellter neuer Schiffe, die die Probleme verursachen? Oder bleibt - was aus weltwirtschaftlicher Sicht womöglich das größere Problem wäre - die Nachfrage nach Frachtraum hinter den Erwartungen zurück.

Beides, sagt Michael Tasto vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen. Nach Angaben des Marktanalysten liegt der aktuellen Zuspitzung die Marktentwicklung im Jahr 2015 zugrunde, die die gesamte Branche böse überraschte. "Zu Beginn des vergangenen Jahres konnte man aufgrund aller verfügbaren Indikatoren von einem Zuwachs beim weltweiten Containerumschlag von 5 bis 6 Prozent ausgehen", so Tasto. "Letztlich legte der Umschlag 2015 aber nur um maximal 1 Prozent zu, wie wir heute wissen."

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