Mittwoch, 7. Dezember 2016

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Konträre Positionen zu Waffenbesitz und Klimawandel SAP verlässt rechte US-Lobbyorganisation Alec 

Logo des Software-Konzerns an der Einfahrt zur Zentrale in Walldorf

SAP beendet ein delikates Polit-Engagement in den USA. Der Software-Konzern verlässt mit sofortiger Wirkung die rechte US-Lobbyorganisation Alec, nachdem manager magazin Anfang der Woche über die Zusammenarbeit berichtet hatte.

Hamburg - Nach eigenen Angaben legt der Softwarekonzern SAP Wert auf Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Menschenrechte - damit ließ sich das Engagement für die US-Lobbyorganisation American Legislative Exchange Council, kurz Alec, offenbar nicht länger vertreten. "Wir haben entschieden, dass wir die Organisation heute verlassen", sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber manager magazin.

Anfang der Woche hatte manager magazin über den Einsatz der US-Tochter der Walldorfer für Alec berichtet. SAP America stellt in Stevens Seale den Vorsitzenden eines besonders einflussreichen Gremiums in der Organisation. Auch er soll den Angaben zufolge seinen Posten bei Alec aufgeben.

Die Vereinigung bringt Konzernvertreter und politische Mandatsträger an einen Tisch. Gemeinsam entwickeln sie Gesetzesvorlagen, die als Blaupause für die parlamentarische Arbeit auf verschiedenen Ebenen dienen. Die Ziele, die Alec verfolgt, polarisieren die Öffentlichkeit und widersprechen zum Teil Grundsätzen, an die sich SAP halten will.

"Krebsgeschwür der Demokratie"

Kritiker bemängeln, dass die Firmenvertreter unter dem Dach von Alec ihre Wünsche gegenüber Abgeordneten äußern und im Idealfall gleich in Gesetzesform gießen lassen. Als "Krebsgeschwür der Demokratie" bezeichnet Rashad Robinson, Direktor der Bürgerrechtsorganisation Color of Change, die Vereinigung. Alec weist das zurück.

Unmut in der US-Öffentlichkeit erregte Alec mit Positionen zu Themen wie Waffengebrauch, Wahlrecht und erneuerbaren Energien. So verbreitete die Vereinigung Gesetzesvorlagen, die den Gebrauch von Schusswaffen erleichtern oder die den Ausbau der Solarenergie erschweren.

"Alec hat nicht immer diese merkwürdigen Positionen vertreten", sagte die SAP-Sprecherin. Schon seit einiger Zeit hätte die US-Tochterorganisation einen Austritt aus Alec geprüft.

Der Austritt von SAP samt des Alec-Frontmannes Seale verstärkt die Krise bei Alec. Denn die Walldorfer folgen prominenten Beispielen wie Microsoft oder Google.

Google-Chairman Eric Schmidt hatte Alec als Vereinigung von "Lügnern" bezeichnet, weil diese den Klimawandel verharmlosten. Alec betont, die Organisation habe "keine Position" zu dem Thema. Allerdings stellt sie indirekt den breiten Konsens infrage, dass die gegenwärtige Erderwärmung menschengemacht ist, indem sie "natürliche" Ursachen herausstellt.

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