Montag, 26. Juni 2017

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Entlastung auf HV mit knappster Mehrheit Hasso Plattner schrammt nur hauchdünn an Blamage vorbei

SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner (mit SAP-Chef Bill McDermott ): "Verstehe die Kritik an den Millionen-Boni nicht". Die Aktionäre offenbar schon, der Aufsichtsrat wurde mit nur 50,4 Prozent Zustimmung entlastet

Die Aktionäre haben dem Aufsichtsrat des Softwarekonzerns SAP wegen der neuen Regeln zur Managerbezahlung einen Schuss vor den Bug verpasst. Die SAP-Kontrolleure wurden auf der Hauptversammlung am Mittwoch nur mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,49 Prozent des anwesenden Aktienkapitals entlastet. Das Ergebnis ist auch eine Blamage für Hasso Plattner, der dennoch noch über das Jahr 2019 hinaus noch Aufsichtsratschef von SAP bleiben will.

Im Vorfeld des Treffens in der Mannheimer SAP-Arena hatte es Kritik an der Intransparenz des neuen Vergütungssystems für die Managerboni gegeben und auch an deren Höhe. Plattner hatte die Millionenzahlungen vehement verteidigt mit dem Argument, SAP müsse gegenüber der US-Konkurrenz wettbewerbsfähig sein. "Ich möchte betonen, dass in unserer Branche noch ganz andere Gehälter gezahlt werden", sagte Plattner.

Doch seine ausführlichen Erklärungen zu den langfristigen, vom Aktienkurs abhängigen Belohnungen verpufften. Der US-Investmentberater ISS und der britische Pensionsfonds Hermes hatten angekündigt und empfohlen, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Die Kontrolleure hätten zu viel Entscheidungsspielraum über die Höhe der Manager-Bezahlung. Diese sei unangemessen hoch.

15 Millionen Euro für SAP-Chef McDermott

SAP-Chef Bill McDermott hatte 2016 mit gut 15 Millionen Euro drei Mal so viel verdient wie im Vorjahr. Auf der Hauptversammlung traten die Kritiker nicht ans Mikrophon. Die Vertreter der Kleinaktionäre aus Deutschland stießen sich angesichts des kräftigen Kursanstiegs von SAP-Aktien nicht an der Höhe der Boni, sondern nur daran, dass SAP das System nicht gut genug erklärt hätte. "Schreiben Sie den Vergütungsbericht so, dass der Aktionär ihn verstehen kann", forderte etwa Christiane Hölz von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Der Aufsichtsratschef dozierte über das System und verteidigte die Höhe der Vergütung vehement. Das am Aktienkurs orientierte Vergütungssystem sorge dafür, dass der Vorstand den langfristigen Unternehmenserfolg im Blick habe, sagte Plattner. Er räumte allerdings ein, kein Thema habe die Aufsichtsräte mehr beschäftigt als dieses, denn schon im vergangenen Jahr war das neue Vergütungssystem mit einer knappen Mehrheit von 54,5 Prozent von den Aktionären gebilligt worden.

Gut die Hälfte der Aktionäre sind institutionelle Investoren, etwa ein Fünftel gehört den Firmengründern Hasso Plattner, Dietmar Hopp und der Stiftung des verstorbenen Klaus Tschira.

Rund eine Milliarde Euro für aktienbasierte Boni

Einen Änderungsbedarf sahen die Kontrolleure jedoch nicht. "Auch mit Blick auf die Höhe ist der Aufsichtsrat der Überzeugung, dass diese angemessen ist", betonte Plattner, der das Abstimmungsergebnis nicht wie üblich mündlich vortragen, sondern schriftlich verteilen wollte. Erst auf Widerspruch, las er die Zahlen vor.

SAP kalkuliert für 2017 gut eine Milliarde Euro für aktienbasierte Boni der Berechtigten unter den knapp 86.000 Mitarbeitern ein. "Das wurde in Europa kritisiert, dass der Gewinn geschmälert wird - in Amerika hat man das als ganz toll empfunden", sagte Plattner kopfschüttelnd.

Wer kommt nach Plattner?

Der Firmenpatriarch musste sich zudem vorsichtige Fragen nach seiner Zukunft angesichts seines Alters von 73 Jahren gefallen lassen. "Wir Aktionäre wünschen uns eine klare Nachfolgeplanung", sagte DSW-Vertreterin Hölz. Plattner kündigte an, auch für ein neues Mandat "bei guter Gesundheit" nach 2019 noch einmal zur Verfügung zu stehen. "Allerdings nicht volle fünf Jahre." Zum Ende einer weiteren Amtszeit wäre Plattner 80 Jahre alt. Der Mitbegründer und Großaktionär der SAP spielt eine wichtige Rolle bei dem sich gerade auf die Cloud-Technologie umstellenden Walldorfer IT-Konzern.

Plattner ist ein Aufsichtsratschef, der nah dran ist am operativen Geschäft und mitgestaltet. So war sein eigenes "Hasso-Plattner-Institut" in Potsdam an der Entwicklung der Datenbanksoftware Hana wesentlich beteiligt. Das ist mittlerweile die Basis der neuen Generation von SAP-Programmen zur Firmensteuerung, die gigantische Datenmengen verarbeiten können.

Snabe wechselt zu Siemens - und fällt als Plattner-Nachfolger aus

Ein potenzieller Nachfolger von Plattner sei mit dem Ex-Chef Jim Hagemann-Snabe SAP gerade von der Fahne gegangen, bedauerte DSW-Vertreterin Hölz. Der Däne soll im kommenden Jahr als Nachfolger von Gerhard Cromme den Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens Börsen-Chart zeigen übernehmen und verlässt das Kontrollgremium von SAP. Snabes Posten wird im kommenden Jahr die neue Strategiechefin von Intel Börsen-Chart zeigen , Aicha Evans, übernehmen. Doch seien damit keine Weichen für sie als Plattner-Nachfolgerin gestellt, hieß es in Unternehmenskreisen. Plattner versprach, weiter für mehr Frauen und jüngere Kandidaten für den Aufsichtsrat zu sorgen. Jemanden in Deutschland oder Europa zu finden, sei schwierig, da SAP der einzige globale IT-Konzern sei.

Mit Blick auf die kritisierten Vergütungen für die Top-Manager bei SAP Börsen-Chart zeigen stellte Plattner klar, dass eine Verdreifachung des Aktienkurses nur ein "absolut futuristischer, fiktiver Wert" sei. Es sei notwendig, nach dem deutschen Kodex zu guter Unternehmensführung eine Maximalvergütung zu definieren für den Fall eines rapiden Aktienkursanstiegs. Daraus errechne sich eine theoretische Maximalvergütung für SAP-Vorstandschef Bill McDermott von 41 Millionen Euro. "Glauben Sie nicht, dass eine Verdreifachung des Aktienkurses ein Unternehmensziel ist", betonte Plattner.

Das am Aktienkurs orientierte Vergütungssystem sorge dafür, dass der Vorstand den langfristigen Unternehmenserfolg im Blick habe, sagte Plattner. Eine Verdreifachung des Aktienkurses in vier Jahren, wie es Apple Börsen-Chart zeigen gelungen sei, und ein entsprechender Anstieg der Boni sei bei dem Dax-Konzern aber nicht zu erwarten, betonte er. "Ich glaube nicht, dass wir in vier Jahren eine Verdreifachung des Kurses haben werden."

"Kein Verständnis dafür, Bonuszahlungen für Manager zu begrenzen"

Der britische Pensionsfonds Hermes und der US-Investmentberater ISS hatten die Managervergütungen als unangemessen hoch kritisiert. Auch sei die Festlegung der Boni zu stark ins Ermessen des Aufsichtsrats gestellt. Plattner betonte, der Aufsichtsrat halte die Höhe für angemessen. Er habe "überhaupt kein Verständnis" für Diskussionen in der Politik, Bonuszahlungen für Manager zu begrenzen. "Ich verstehe die Kritik nicht", sagte Plattner. "Wir haben das richtige System und alles richtig gemacht."

SAP-Vorstandschef Bill McDermott hatte im vergangenen Jahr wegen des starken Kursanstiegs der SAP-Aktie mit rund 15 Millionen Euro etwa drei Mal so viel verdient wie im Jahr zuvor. Plattner rechtfertigte das auch mit Verweis auf die viel höheren Vergütungen bei Konkurrenten wie Oracle Börsen-Chart zeigen oder Salesforce von gut 40 Milionen Dollar.

McDermott: Umsatz soll bis 2020 auf 29 Milliarden Euro steigen

Der im Vergleich zu Ellison geradezu kümmerlich bezahlte SAP-Chef McDermott bemühte sich dann auch, die Erfolge von SAP Börsen-Chart zeigen auf der Hauptversammlung deutlich zu machen. SAP könne seine Jahres- und Wachstumsziele für 2020 erreichen, sagte McDermott. Das Umsatzwachstum im ersten Quartal habe die Erwartungen des Marktes übertroffen. "Wir sind daher fest davon überzeugt, dass wir unsere Prognosen für 2017 und unsere Ziele für 2020 erreichen werden."

SAP will den Umsatz von 22 Milliarden Euro im vergangenen Jahr bis 2020 auf bis zu 29 Milliarden Euro steigern. Der operative Gewinn soll auf bis zu neun Milliarden Euro klettern nach 6,6 Milliarden 2016. SAP hatte den Umsatz von Januar bis März um acht Prozent auf 5,29 Milliarden Euro erhöht, die Prognose von Analysten betrug im Schnitt 5,17 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis war um drei Prozent gestiegen auf knapp 1,2 Milliarden Euro - doch unbereinigt sackte es um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 673 Millionen Euro ab.

Von Ilona Wissenbach und Harro Ten WoldeMannheim, Reuters

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