Mittwoch, 15. August 2018

Milliardendeal SAP will mehr Macht in der Cloud und kauft Salesforce-Rivalen

Done Deal: SAP-Chef Bill McDermott mit US-Präsident Donald Trump Ende Januar 2018 in Davos.

Europas größter Softwarehersteller SAP schaltet im Wettbewerb mit dem großen US-Cloudsoftware-Rivalen Salesforce einen Gang höher: Für 2,4 Milliarden US-Dollar (knapp zwei Milliarden Euro) kaufen sich die Walldorfer den US-Anbieter Callidus.

Das Unternehmen bietet Software für den Vertrieb vor allem zur Miete aus dem Internet an - eine Domäne von Salesforce. Die Callidus-Aktionäre müssen wie das Management noch zustimmen, zudem braucht SAP die Erlaubnis der Wettbewerbsbehörden. Ein Abschluss wird für das zweite Quartal 2018 erwartet.

SAP-Chef Bill McDermott macht nach Jahren mit kleineren Zukäufen damit wieder Dampf im Geschäft um die Kunden vor allem auf dem US-Markt, der schon deutlich stärker auf Software zur Miete aus dem Internet setzt. Zuletzt hatte SAP 2014 mit dem Reisekostendienstleister Concur für über acht Milliarden Dollar einen größeren Einkauf gewagt. Die Schulden dafür hat der Konzern inzwischen wieder weitgehend abgebaut - und traut sich nun wieder mehr zu. McDermott bezeichnete Callidus als innovativste Firma auf ihrem Gebiet.

Die milliardenschweren Investitionen in das Cloudgeschäft will SAP Börsen-Chart zeigen in diesem Jahr endlich wieder in steigende Ertragskraft ummünzen. Zum ersten Mal seit 2013 soll die Umsatzrendite auf das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern wieder zulegen, wie Vorstandschef Bill McDermott am Dienstag in Walldorf sagte.

SAP leitet Margenwende ein

Ein Blick auf die Quartalsbilanz zeigt, dass dies machbar ist. Zum Jahresschluss bremste zwar der stärkere Euro kräftig bei Umsatz und Ergebnis, operativ stimmt aber laut Finanzchef Luka Mucic die Richtung. Im vierten Quartal habe der Konzern die versprochene Wende bei der seit Jahren sinkenden operativen Marge auf währungsbereinigter Basis eingeleitet, erläuterte er.

Die SAP-Aktie legten am Morgen rund 1 Prozent zu. Commerzbank-Analyst Thomas Becker sah in der Bilanz mehr Licht als Schatten. Das vierte Quartal sei allerdings etwas schwächer als gedacht verlaufen, der Ausblick wie erwartet ausgefallen. Das Zahlenwerk sei nicht großartig, aber SAP habe weniger schwach als befürchtet abgeschnitten, weil unter anderem das Wachstum in der Cloud hoch bleibe.

In diesem Jahr soll das operative Ergebnis laut der SAP-Prognose stärker klettern als der Gesamtumsatz und zu konstanten Wechselkursen 7,3 bis 7,5 Milliarden Euro erreichen. Der Umsatz dürfte zwischen 24,6 und 25,1 Milliarden Euro betragen. Am oberen Ende der Spannen wäre das eine Marge von 29,9 Prozent - nach einem Rückgang auf 28,9 Prozent im vergangenen Jahr. Die Walldorfer verwiesen darauf, dass Umsatz und Ergebnis allein wegen geänderter Bilanzierungsrichtlinien dieses Jahr höher ausfallen dürften als auf Basis alter Regeln.

Allerdings dürfte der im Vorjahresvergleich stärkere Euro Börsen-Chart zeigen weiter bremsen. Bleibt es bei den Wechselkursen vom frühen Januar, so dürfte das operative Jahresergebnis um 4 bis 6 Prozentpunkte geschmälert werden.

SAP profitiert von Trumps Steuerreform

Im Gesamtjahr 2017 kletterte der Umsatz trotz des zum Schluss bremsenden Euro insgesamt um 6 Prozent auf 23,46 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 2 Prozent auf 6,77 Milliarden.

Das Cloudgeschäft, in das SAP viele Milliarden an Zukäufen gesteckt hat, lief weiter rund mit Wachstumsraten von bereinigt 28 Prozent. Auch die neuen Bestellungen der Mietsoftware, die SAP bei mehrjähriger Laufzeit zum großen Teil zunächst nur teilweise als Erlös verbucht, deuten für den SAP-Chef auf weiteres Wachstum hin. Die Cloudsparte soll 2018 bis zu einem Drittel zulegen.

Unter dem Strich stieg der Gewinn im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 4,06 Milliarden Euro. Im Schlussquartal kam den Walldorfern die US-Steuerreform von Präsident Donald Trump mit rund 200 Millionen Euro zugute. Zudem fiel das Finanzergebnis besser aus.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH