Montag, 29. August 2016

Toiletten-Dienstleister Im Graubereich der Saubermänner

Toiletten-Drehkreuz von "Sanifair": Der Unmut über die "Pinkel-Maut" ist verflogen - doch einige Deals in der Saubermann-Branche sind nun ein Fall für den Staatsanwalt

Kaufhäuser und Raststätten lassen ihre Toiletten von Subunternehmern putzen. Mehrere Prozesse bringen nun das Geschäftsmodell ins Wanken. Der Vorwurf: Hinterziehung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.

Als die Tank & Rast-Tochter Sanifair vor zehn Jahren Drehkreuze vor die Toiletten an deutschen Autobahnen montierte, provozierte dies zunächst den Ärger der Vielfahrer. Für die Benutzung der mit Meditationsmusik beschallten Toiletten mussten die Raststättenbesucher nun bezahlen, was viele als Gängelung empfanden.

Doch der Unmut über die "Pinkel-Maut" von damals 50, heute 70 Cent, verging schnell. Denn aus den ehemals verdreckten Trucker-Klos wurden Horte der Sauberkeit. Und die Gebühr ging einher mit dem Versprechen fairer Arbeitsbedingungen für die Reinigungskräfte.

Ein Prozess, der demnächst vor dem Landgericht Mainz beginnen soll, droht das Saubermann-Image der Branche nun ins Wanken zu bringen. Möglicherweise wurden hinter der Sanifair-Fassade systematisch Putzkräfte aus Osteuropa ausgebeutet.

Die Staatsanwaltschaft Mainz hat im Juni Anklage gegen zwei Reinigungsunternehmer und ihre Geschäftsfreunde erhoben, die von Anfang 2008 bis Mitte 2009 an bundesweit 27 Raststätten die Sanifair-Toiletten säuberten. Beauftragt wurden sie laut Landgericht von der Axxe Reisegastronomie GmbH, einer ehemaligen Tochter des Handelskonzerns Metro, die damals die Toiletten von Tank & Rast gepachtet hatte.

Vorwurf: Klomänner und Klofrauen als Scheinselbstständige

Der Vorwurf: Die TCC The Cleaning Company GmbH soll in 48 Fällen Klomänner und -frauen als Scheinselbstständige beschäftigt und so Mindestlohn und Sozialversicherungsbeiträge umgangen haben. Der Schaden für Beschäftigte und Sozialkassen soll sich auf rund 1,4 Millionen Euro belaufen.

Die Mitarbeiter sollen vor allem in Bulgarien angeworben und dann teils in Bussen nach Deutschland geschafft worden sein. Das manager magazin hat sich vergeblich um eine Stellungnahme der angeklagten früheren TCC-Geschäftsführer Udo Reif (62), ein ehemaliger Polizeibeamter, und Svetoslav Petrov (54) bemüht. Reif war nicht zu erreichen, eine Anfrage an Petrovs Anwaltskanzlei blieb unbeantwortet.

Laut Tank & Rast ist Sanifair vornehmlich ein Franchise-System, indem allein die Pächter für von ihnen beauftragte externe Dienstleister verantwortlich sind - in diesem Fall also die Axxe GmbH, die in ihrer damaligen Form heute nicht mehr existiert. Die Marke wird von der Elior Holding weitergeführt, die im fraglichen Zeitraum jedoch noch nicht zuständig war.

Reif und Petrov sind keine Unbekannten in der Toilettenbranche. Reif steht etwa mit mehreren weiteren Reinigungsfirmen in Verbindung und Petrov ist Gesellschafter der Frankfurter Terra Cleaner GmbH. Die Firma mit tadellosem Ruf hat namhafte Kunden in ganz Deutschland: Karstadt- und Kaufhof-Filialen zum Beispiel oder die der Familie Otto gehörende ECE Projektmanagement GmbH.

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