Sonntag, 28. August 2016

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Erst mal ein Sabbatical So macht Karriere richtig Spaß

Aufstieg nicht um jeden Preis: Immer mehr Berufstätige legen längere Pausen ein

Der Jahreswechsel ist die Zeit der guten Vorsätze. Ganz oben auf der Hitliste steht in jedem Jahr der Wunsch nach weniger Stress. Stattdessen: Weltreise, Hausbau, soziales Engagement oder mehr Zeit mit den Liebsten. Aus diesem Wunsch wird immer öfter eine mehrmonatige Auszeit vom Job.

Der Ausstieg aus dem Alltag, häufig Sabbatical genannt, ist mittlerweile selbstverständlich geworden - für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Und wird immer beliebter. 2016 wollen 63 Prozent der Deutschen mehr für ein stressfreieres Leben tun, wie aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die Krankenkasse DAK hervorgeht.

Barbara Stäbler wollte mehr von der Welt sehen, als sie dem Alltag im September 2014 für ein Jahr "Lebewohl" sagte. Gemeinsam mit ihrem Mann machte sich die 47-Jährige, die bei der Allianz-Versicherung für die Entwicklung von Führungskräften zuständig ist, auf Entdeckungstour. Singapur, Bali, Spanien, Uganda, Marokko und Sri Lanka waren Stationen, an denen sie haltmachten. Zwischendurch kamen sie immer wieder zurück nach München.

Zwölf Monate ging die Auszeit. Währenddessen hätten sie auch ein Entwicklungsprojekt an einer ugandischen Schule besucht und in Marokko mit Berbern eine Tour durchs Atlas-Gebirge unternommen - mit Trinkwasser, "das ich mir hart erarbeiten musste". "Ich wollte mich mal wieder erden", sagt Stäbler. Die Motivation für die Auszeit: die Welt sehen, Natur erleben, soziales Engagement. Selbstverwirklichung.

Balance zwischen Job und Freizeit wichtiger als nächste Gehaltsstufe

Diesen Trend zu immer mehr Selbstverwirklichung sieht auch Johanna Aichmüller, Personalleiterin bei der Allianz. Der Großteil jener Mitarbeiter, die eine mehrmonatige Auszeit nehmen, gehe ihrer Erfahrung nach auf Reisen. Auf Platz zwei folge soziales Engagement, etwa die Unterstützung eines Entwicklungshilfeprojekts.

Für die 18- bis 45-Jährigen seien heute andere Faktoren entscheidend als für die "Babyboomer", sagt Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Düsseldorf. Jüngeren sei die Balance zwischen Job und Freizeit oft wichtiger als die nächste Gehaltsstufe. Diese Haltung hat sich mittlerweile in der Wirtschaft etabliert: Ein Sabbatical - "das ist nicht gleich ein Karriereknick", sagt Heuer. Im Gegenteil, sogar ältere Generationen begegneten diesem Trend mit Wohlwollen.

Dem Wunsch nach Selbstverwirklichung kommen viele Firmen mittlerweile von sich aus nach. "Die Unternehmen merken, dass Sie attraktiver werden und mehr bieten müssen", sagt Heuer. Sie könnten nicht mehr davon ausgehen, dass die Mitarbeiter - einmal angestellt - bis zum Ruhestand in der Firma bleiben.

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