Freitag, 20. Juli 2018

Schock für O'Leary - und für Ryanair-Passagiere Deutsche Ryanair-Piloten streiken noch vor Weihnachten

Ryanair-Pilotin: Die deutschen Piloten sind zu Warnstreiks ab 22. Dezember aufgerufen. Passagiere, die mit Ryanair zu Weihnachten nach Hause fliegen wollen, haben das Nachsehen

Eigentlich schienen europaweite Pilotenstreiks bei der irischen Ryanair schon vom Tisch zu sein. Doch die erste Sondierung mit der deutschen Gewerkschaft brachten nur neuen Ärger: Nun haben die Piloten Warnstreiks noch vor Weihnachten angekündigt.

Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest müssen sich zumindest die deutschen Kunden der irischen Fluggesellschaft Ryanair Börsen-Chart zeigen doch noch auf Streiks der Piloten einrichten. Zu dem vierstündigen Arbeitskampf von 5.00 Uhr bis 9.00 Uhr an diesem Freitag (22. Dezember) hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) alle festangestellten Piloten der deutschen Basen aufgerufen.

Es wäre der erste Streik in der Geschichte der 1985 gegründeten Fluggesellschaft. Die Zahl der betroffenen Flüge war zunächst unklar.

Zuvor waren nach Darstellung der VC erste Sondierungsgespräche mit dem Unternehmen in Dublin gar nicht erst zustande gekommen. Ryanair habe am Mittwoch zwei der fünf anwesenden VC-Tarifkommissionsmitglieder abgelehnt und damit die gewerkschaftliche Autonomie missachtet. "Ryanair spielt weiter auf Zeit und verhindert so den Einstieg in Tarifverhandlungen", sagte der VC-Verhandlungsführer Ingolf Schumacher.

"Ryanair verhindert den Einstieg in Tarifverhandlungen"

Ryanair hatte kurz vor der Ankündigung des Warnstreiks noch mitgeteilt, mit der VC am 5. Januar in Frankfurt sprechen zu wollen. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche die verschiedenen nationalen Gewerkschaften überraschend zu Gesprächen eingeladen und angekündigt, sie als legitime Interessensvertretungen der Ryanair-Piloten anzuerkennen. Die Gewerkschaften hatten daraufhin erste konkrete Streikdrohungen zurückgenommen, um die Gespräche nicht zu belasten.

Gewerkschaften werfen O'Leary Hinhaltetaktik vor

Das Gesprächsangebot hatte Hoffnungen auf eine Abkehr vom strikt anti-gewerkschaftlichen Kurs des Billigfliegers geweckt, der bislang nur mit lokalen Piloten-Komitees an seinen mehr als 80 europäischen Basen verhandelt hatte. Es gab aber weiterhin bei den Gewerkschaften Misstrauen, dass die Fluggesellschaft lediglich mit einer Hinhaltetaktik das lukrative Weihnachtsgeschäft möglichst störungsfrei halten wollte.

Die Arbeitnehmervertreter verlangen eine Vielzahl von Verbesserungen in den Arbeitsverhältnissen der rund 4000 Ryanair-Piloten. Unter anderem stören sie sich an schlecht strukturierten Einsatzplänen, plötzlichen und als willkürlich empfundenen Versetzungen, geringen Fix-Gehältern und dem weit verbreiteten System sogenannter Vertragspiloten.

Aus Angst vor Streiks zur Weihnachtszeit hatte Ryanair Ende vergangener Woche eingelenkt und zugesagt, erstmals Pilotengewerkschaften anzuerkennen. Daraufhin sagten Piloten in Irland, Portugal und Italien bereits angekündigte Streiks ab.

Im September hatte die Billigfluglinie den Ausfall tausender Flüge bis März bekanntgeben müssen - offiziell, weil das Unternehmen bei der Planung der Jahresurlaube der Piloten Fehler gemacht hatte, laut Gewerkschaftsangaben aber auch, weil viele Piloten das Unternehmen wegen schlechter Bezahlung und schlechter Arbeitsbedingungen verlassen haben.

Unterdessen hat Ryanair nun auch den Gewerkschaften von Flugbegleitern Tarifgespräche in Aussicht gestellt. Man werde im neuen Jahr "zu gegebener Zeit" Gespräche mit ihnen aufnehmen, teilte die Gesellschaft am Dienstag mit. Noch in dieser Woche werde man mit den Pilotengewerkschaften aus Irland, Deutschland und Portugal sprechen und sie im kommenden Jahr auf weitere Gewerkschaften ausweiten.

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