Sonntag, 22. Juli 2018

O'Leary lehnt Treffen mit 11 Pilotenvereinigungen brüsk ab Teile und herrsche - wie Ryanair sein Geschäftsmodell verteidigt

"Don't waste your time": Ryanair-Chef Michael O'Leary will seine Low-cost-Strategie um jeden Preis verteidigen

Erste Piloten fordern offen den Rücktritt von Ryanair-Chef O'Leary. Die Wut hat einen Grund: Die 11 größten Pilotenvereinigungen Europas haben den knallharten Kostendrücker in einen geheimen Brandbrief Forderungen übermittelt und zum Gespräch geladen. Ryanair lehnt brüsk ab, zahlt lieber einzelnen Piloten 20 Prozent mehr Gehalt als das erfolgreiche Low-cost-Modell in gemeinsamen Verhandlungen zu gefährden. Ein fataler Fehler, sagt die European Cockpit Association.

Der Konflikt zwischen der irischen Billig-Airline Ryanair und ihren Piloten um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld spitzt sich zu. Die schärfsten Töne schlägt derzeit der EERC an, eine inoffizielle europaweite Arbeitnehmervertretung, die laut eigenen Angaben eine signifikante Anzahl von Ryanair-Piloten vertritt. In einem Brief fordert der EERC Airline-Chef Michael O'Leary zum Rücktritt auf.

"Sei anständig und geh, bevor Du weiteren Schaden anrichtest", zitiert Reuters aus dem Brief. O'Leary gefährde durch sein kompromissloses Verhalten den Flugbetrieb, denn weitere Piloten und Copiloten würden die Gesellschaft zur besser zahlenden Konkurrenz verlassen. Personalvorstand Eddie Wilson kanzelte die Forderung prompt als "bizarr" und "lächerlich" ab. Ryanair habe ausreichend Piloten, um den Flugplan einzuhalten. "Viele" Piloten hätten ein Angebot von 20 Prozent mehr Gehalt angenommen. Das zeige, die Piloten würden dem EERC keine Bedeutung beimessen.

Europas größter Low-Cost-Carrier liegt mit seinen Piloten schon lange im Clinch. Flächendeckende Streiks im wichtigen Weihnachtsgeschäft konnte O'Leary nur verhindern, weil er erstmals in der 32-jährigen Geschichte der Airline Pläne zur Anerkennung von Pilotengewerkschaften ankündigte. Tatsächlich hat aber bislang nur die britische "Balpa" eine Anerkennungsvereinbarung unterzeichnet.

Ryanair ist an einer europaweiten Lösung nicht interessiert

Zuletzt schlug O'Leary wieder aggressive Töne an, sprach von "lächerlichen" Forderungen und nahm Streiks zu Ostern billigend in Kauf. Ryanair will sein Low-Cost-Modell, das nicht nur auf einem Minimum an Service, sondern auch auf einem System selbstständiger Leihpiloten mit schlechter sozialer Absicherung basiert, auf keinen Fall gefährden.

Ryanair ist daher an einer europaweiten Lösung, verbindlichen Sozialstandards für alle Piloten und Kollektivverhandlungen nur wenig gelegen. Das zeigt unter anderem die barsche Reaktion des Managements auf einen gemeinsam unterzeichneten Brief der 11 wichtigsten europäischen Pilotenvereinigungen.

In dem Schreiben, das manager magazin online exklusiv vorliegt, stellen die Pilotenorganisationen acht Forderungen an das Management. Unter anderem die, dass Ryanair bis zum 1. März allen Piloten direkte und dauerhafte Arbeitsverträge nach den jeweiligen Gesetzen des Landes und ohne Auflagen anbieten soll. Auch laden die Pilotenvereinigungen das Ryanair-Management für die letzten Februar-Tage zur Diskussion nach Brüssel unter das Dach der European Cockpit Association (ECA) ein.

Zu dem Treffen wird es nicht kommen. "Don't waste your time", lautete Ryanairs kurze Antwort bereits wenige Stunden nach Erhalt der von der ECA verschickten Einladung.

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