Montag, 15. Oktober 2018

Europaweit 300 Flüge abgesagt Ryanair schießt zurück und reduziert irische Flotte

Ryanair-Passagiere: Viele müssen heute und morgen am Boden bleiben
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Ryanair-Passagiere: Viele müssen heute und morgen am Boden bleiben

Der Streit zwischen der irischen Billigfluglinie Ryanair und ihren Mitarbeitern eskaliert: Die Fluggesellschaft werde ihre Flotte in Dublin um 20 Prozent reduzieren, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Damit seien 300 Stellen gefährdet, 100 Piloten und 200 Mitglieder des Kabinenpersonals. Den Angaben von Ryanair zufolge soll der Bestand in Dublin von derzeit 30 auf rund 24 Maschinen reduziert werden.

Für die Entscheidung machte die Airline unter anderem rückläufige Buchungen wegen der Pilotenstreiks in Irland verantwortlich. Die Piloten hatten in den vergangenen Tagen zweimal ihre Arbeit niedergelegt. Das Unternehmen wolle sich künftig stärker auf seine Aktivitäten in Polen konzentrieren, erklärte die Airline.

Neben den Piloten streiken ab heute auch die Flugbegleiter in mehreren Ländern. Europaweit musste Ryanair daher 300 Flüge absagen. Betroffen sind auch mehrere Verbindungen von und nach Deutschland, wie eine Flughafen-Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben hat. Gestreikt wird bis einschließlich Donnerstag an den Ryanair-Basen in Spanien, Portugal und Belgien.

Noch unklar sind hingegen Auswirkungen eines Streikaufrufes der italienischen Gewerkschaft CGIL an die dort stationierten Piloten und Flugbegleiter. Grundsätzlich könnten am Mittwoch alle Flughäfen betroffen sein, die Ryanair in Italien anfliegt, hatte ein Sprecher erklärt.

In Deutschland sind am Flughafen Köln/Bonn für Mittwoch und Donnerstag je acht Starts und Landungen gestrichen. In Berlin-Schönefeld wurden für die beiden Tage zusammen sieben Verbindungen abgesagt, weitere könnten noch folgen. An anderen Flughäfen wie Memmingen, Nürnberg, Hamburg, Bremen Dortmund oder Weeze hat Ryanair Börsen-Chart zeigen einzelne Flüge gestrichen. Immer sollte es zu Zielen in Spanien oder Portugal gehen. Keine Flugabsagen gab es bis Dienstagabend in München, Stuttgart und Frankfurt am Main.

Das irische Unternehmen hatte sich in der vergangenen Woche geweigert, eine komplette Liste der wegen des Streiks gestrichenen Flüge herauszugeben. Die betroffenen Kunden würden informiert, alle anderen könnten davon ausgehen, dass ihre Flüge stattfinden, hieß es. 50.000 Kunden seien umgebucht oder vollständig entschädigt worden, erklärte Ryanair per Twitter. Ryanair hat für beide Tage in seinem Europanetz jeweils 300 Flüge abgesagt, rund 12 Prozent des täglichen Angebots. Man erwarte für Mittwoch keine weiteren Streichungen.

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Die deutschen Gewerkschaften für Piloten und Flugbegleiter haben bislang keinen Arbeitskampf bei Ryanair ausgerufen. Bei der Vereinigung Cockpit läuft aber eine Urabstimmung bis Ende Juli. Die Gewerkschaften stimmen sich auf europäischer Ebene ab und setzen sich für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne bei Europas größtem Billigflieger ein. Streiks gab es bereits in Portugal und Irland.

mg/dpa-afx, afp

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