Mittwoch, 22. August 2018

Was betroffene Reisende jetzt tun sollten Ryanair muss am Freitag erneut Flüge streichen

Ryanair-Piloten im irischen Dublin: Streik für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen

Beim Billigflieger Ryanair scheint ein Streik der in Deutschland stationierten Piloten kaum noch vermeidbar. Das Unternehmen habe nichts vorgelegt, was man als neues Angebot werten könne, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

In der Nacht war eine letzte Frist der VC für ein verbessertes Tarifangebot abgelaufen. Man werde nun am Mittwoch (11 Uhr) die weiteren Maßnahmen bekanntgeben, kündigte die Gewerkschaft an. Inzwischen hat die Gewerkschaft bekanntgegeben, dass auch die deutschen Piloten am Freitag ihre Arbeit niederlegen werden.

Ryanair hat nach eigenen Angaben bereits am Freitag ein neues Schreiben an die VC übermittelt. "Aus unserer Sicht war das nur eine Zusammenfassung der bisherigen Positionen. Das Signal ist ausgeblieben", erklärte dazu VC-Sprecher Janis Schmitt.

Mitten in der Ferienzeit müssen sich Reisende damit wieder auf Streiks bei Europas größtem Billigflieger Ryanair gefasst machen. Am kommenden Freitag (10. August) werden insgesamt 104 Flüge von und nach Belgien gestrichen, teilte das Unternehmen im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Außerdem seien am selben Tag Schweden (22 Flüge) und Irland (20 Flüge) betroffen. Auch Passagiere in Deutschland und den Niederlanden könnten eventuell von Streiks betroffen sein.

Ryanair Börsen-Chart zeigen selbst rechnete damit, dass sich die deutschen Piloten den Streikaktionen in anderen Ländern am Freitag anschließen werden. Die Airline fliegt in Deutschland 19 Flughäfen an, von denen zehn als Heimatbasen für einzelne Jets dienen.

Schlichter soll Tarifkonflikt in Irland lösen

Im Tarifkonflikt in Irland soll nun ein Schlichter eingreifen. Ein entsprechendes Angebot der Airline ohne Vorbedingungen hätten die Vertreter der Piloten akzeptiert, berichtete der irische Sender RTÉ am Samstag. Als Schlichter soll der unabhängige Arbeitsexperte Kieran Mulvey eingesetzt werden. Die Verhandlungen können dem Bericht zufolge frühestens am 14. August beginnen. An dem Streik der irischen Piloten am 10. August soll aber trotzdem festgehalten werden, betonte die Gewerkschaft Forsa. Es wäre dann der fünfte Streiktag dort.

Der letzte Streik der irischen Piloten am vergangenen Freitag hatte kaum spürbare Folgen, wie Ryanair mitteilte. Die Passagiere der etwa 20 ausgefallenen Flüge seien rechtzeitig umgebucht oder finanziell entschädigt worden. Man sehe dem Streik am kommenden Freitag in Irland daher gelassen entgegen, hieß es zuletzt. Ryanair hatte zuvor aber angedroht, wegen der bisherigen Streiks 300 Stellen in Irland abzubauen. Stattdessen soll die Flotte in Polen aufgestockt werden.

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Bei den Streiks geht es um die Bezahlung, aber auch um die Arbeitsbedingungen bei der Billig-Airline. Das Unternehmen hatte erstmals Ende 2017 Gewerkschaften als Verhandlungspartner anerkannt. Bereits vor etwa eineinhalb Wochen hatte ein 48-stündiger Streik der Flugbegleiter Reisende in mehreren europäischen Ländern getroffen.

Was betroffene Reisende jetzt tun sollten

Reisende, die vom Streik betroffen sind, sollten unbedingt Entschädigungsansprüche bei ausgefallenen oder stark verspäteten Flügen geltend machen. Dies erklärte die Direktorin des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ) in Luxemburg, Karin Basenach, am Dienstag in Luxemburg. Das EVZ stelle Musterbriefe zur Verfügung, die "für jede Art von Personalstreiks bei Fluggesellschaften genutzt" werden könnten.

Erst am 18. Juli hatte ein luxemburgisches Gericht zwei Passagieren der Lufthansa Entschädigungen von jeweils 250 Euro zugesprochen. Die Reisenden waren im November 2016 wegen des Streiks bei der Lufthansa mit mehr als drei Stunden Verspätung an ihrem Reiseziel angekommen. Der luxemburgische Richter bezog sich bei seiner Entscheidung auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom April 2018.

Das höchste EU-Gericht hatte entschieden, Streiks seien nicht automatisch als "außergewöhnlicher Umstand" zu betrachten. Bei Vorliegen "außergewöhnlicher Umstände" müssen Fluggesellschaften die Passagiere nicht entschädigen. Das luxemburgische Urteil sei möglicherweise "eine Antwort" auf die Frage, ob auch Ryanair seine Passagiere entschädigen müsse, sagte Basenach.

mg/dpa-afx

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