Mittwoch, 14. November 2018

Erster Gewinnrückgang seit Jahren Ryanair in der Krise - Streiks und Rassismusvorwürfe belasten

Ryanair-Post von David Lawrence bei Facebook: Dieser Mann beschimpft die farbige Frau
Facebook/David Lawrence
Ryanair-Post von David Lawrence bei Facebook: Dieser Mann beschimpft die farbige Frau

Der Billigflieger Ryanair muss den ersten Gewinnrückgang seit Jahren verdauen. Der Gewinn sei im ersten Geschäftshalbjahr um 7 Prozent auf 1,20 Milliarden Euro gesunken, teilte das Unternehmen am Montag in Dublin mit. Das ist das erste Mal seit fünf Jahren. Als Gründe für den Gewinnrückgang nannte Ryanair die Streiks, hohe Kerosinpreise, geringere Ticketpreise und Ersatzzahlungen wegen der EU-Fluggastrechte.

Die Ryanair-Papiere Börsen-Chart zeigen legten am Morgen dennoch um über 4 Prozent zu. Der Konzern hatte bereits Anfang Oktober eine Gewinnwarnung herausgeben, daraufhin war das Papier stark eingebrochen. Das britische Analysehaus Liberum schrieb in einem ersten Kommentar, nach der Gewinnwarnung seien die aktuellen Zahlen keine Überraschung mehr. Die nun beibehaltene Prognose und das Kursniveau seien aber Einstiegsgründe, hieß es. Laut UBS-Experte Jarrod Castle waren die Zahlen sogar einen Tick besser ausgefallen als befürchtet.

Ryanair erwartet nun für das Geschäftsjahr 2018/19 (Ende März) einen Gewinn von 1,10 bis 1,20 Milliarden Euro. Zuvor war der Konzern von 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro ausgegangen. Ryanair-Chef Michael O'Leary bezeichnete den Ausblick in einem Interview mit Bloomberg als konservativ. Er sehe den Ölpreis als größtes Risiko. Eine erneute Anpassung sei aber eventuell erst nötig, wenn ein Barrel über 100 Dollar koste.

Ein wichtiger Grund für den Gewinnrückgang bei Ryanair sind die aktuellen Streiks in mehreren europäischen Ländern mit Piloten und Flugbegleitern. Dem Billigflieger werden zu geringe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen vorgeworfen, das lastet auf dem Image. Immer mehr Kunden weichen auf andere Fluggesellschaften aus - natürlich auch, weil Flüge durch die Streiks kurzfristig ausfallen können.

Mann beschimpft farbige Frau - und darf an Bord bleiben

Das eh schon angeschlagene Image des Billigfliegers wird aktuell auch noch durch einen rassistischen Vorfall weiter ramponiert. Ein Mann beschimpfte in einer Maschine eine 77-jährige Frau lautstark unter anderem als "hässlichen schwarzen Bastard". Der pöbelnde Passagier wurde aber nicht aus dem Flugzeug auf dem Airport von Barcelona gewiesen. Stattdessen wurde das Opfer auf eigenen Wunsch umgesetzt.

Ein Mitreisender hatte den Vorfall am vergangenen Freitag kurz vor dem Start nach London gefilmt. Das Video verbreitete sich rasend schnell in sozialen Netzwerken und löste massive Kritik an der irischen Fluggesellschaft aus. Dort ist zu sehen, dass die Seniorin zwar von ihrer Tochter und einem anderen Fluggast unterstützt wird, aber ein Flugbegleiter auf Aufforderung nur zaghaft eingreift.

"Wir kennen das Video und haben den Vorfall der Polizei in Essex gemeldet", teilte Ryanairam Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Ein Polizeisprecher bestätigte: "Wir arbeiten eng mit Ryanair und den spanischen Behörden bei den Ermittlungen zusammen."

mg/dpa-afx

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