Sonntag, 18. Februar 2018

O'Leary rechnet mit Streiks Ryanair-Chef geht auf Crash-Kurs mit Piloten

"Lächerliche Forderungen": Ryanair-Chef O'Leary will Pilotengewerkschaften gegenüber nicht nachgeben

Ryanair-Chef Michael O'Leary macht aus seiner Abneigung gegen Gewerkschaften keinen Hehl. Eher friere die Hölle zu, als dass es bei Ryanair Gewerkschaften gäbe, sagte er einmal. Jahrzehntelang lehnte O'Leary die Arbeitnehmervertreter als Verhandlungspartner ab - bis es dann Ende vergangenen Jahres richtig krachte. Um flächendeckende Streiks im wichtigen Weihnachtsflugverkehr zu vermeiden, erkannte der Selfmade-Manager Mitte Dezember Pilotengewerkschaften als Vertreter der Cockpit-Besatzungen grundsätzlich an. Die Hölle friert also doch zu - ein wenig zumindest.

Verhandeln will O'Leary nur mit einzelnen Gewerkschaften, nicht aber mit dem Interessenverband ECA (European Cockpit Association). Dabei prallen mitunter Welten aufeinander: Schon nach dem ersten Sondierungsgespräch mit der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit kam es zum ersten Warnstreik. Eine Einigung mit den Piloten für die zehn Basen in Deutschland steht daher noch aus.

Ebenso mit der britischen Pilotenvereinigung Balpa, die mit Ryanair vor ein paar Tagen immerhin eine Vereinbarung darüber geschlossen hat, dass sie einzig berechtigtes Vertretungsorgan für Ryanair-Piloten im Vereinigten Königreich ist.

Der Ire, der britische Piloten bereits mit einer 20-prozentigen Lohnerhöhung lockt, will sich aber auch in Zukunft nicht die Sozialstandards von Gewerkschaften diktieren lassen und bereitet die Kunden von Europas größter Billigfluggesellschaft auf weitere Konflikte mit der Belegschaft vor.

Flugausfälle nimmt O'Leary dabei billigend in Kauf. O'Leary sprach am Montag zur Vorlage der Quartalszahlen von "lächerlichen" Forderungen der Piloten, denen er nicht nachgeben werde. Zur Reisezeit Ostern drohten Streiks, räumte der Manager ein.

Die Piloten kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung. Nicht nur das: So fordert der Interessenverband ECA Ryanair Börsen-Chart zeigen in einem Schreiben bis zum 1. März ultimativ auf, seine Piloten direkt und unbefristet im jeweiligen Staat ihres Heimatflughafens anzustellen. Neben der Pilotenvereinigung Cockpit hätten 10 weitere Gewerkschaften das Schreiben unterzeichnet, heißt es in Agenturberichten.

Ryanair fliegt trotz Turbulenzen höheren Gewinn ein

Auch wenn Ryanair seinen Gewinn steigern konnte, das letzte Geschäftsquartal 2017 hatte es in sich: Ryanair musste im Herbst massiv Flüge streichen - "Dienstplanprobleme" hieß es offiziell. Tatsächlich fehlte schlicht Personal. Bis zu ein Fünftel der Ryanair-Piloten würde das Unternehmen verlassen, unkte die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit. Zugleich hatte Ryanair mit Warnstreichs zu kämpfen.

Weitere Streiks und höhere Lohnforderungen könnten das Unternehmen teuer zu stehen kommen, warnte Analyst Neil Wilson von ETX Capital am Montag. An der Börse gab die Aktie von Ryanair Börsen-Chart zeigen nach. Um die Aktionäre bei der Stange zu halten, will O'Leary noch im Februar Aktien in Höhe von 750 Millionen Euro zurückkaufen.

Trotz der Turbulenzen konnte Ryanair im letzten Geschäftsquartal den Gewinn nach Steuern um 12 Prozent auf 106 Millionen Euro steigern. Überraschend viel Umsatz brachten Ryanair zuletzt vor allem Gebühren für Sitzreservierungen und Extra-Gepäck ein. Der Konzern peilt im Geschäftsjahr jetzt 130 Millionen Passagiere an, eine Million mehr als bisher prognostiziert.

An eine nachhaltige Erholung der Ticketpreise mit der beginnenden Sommersaison glaubt O'Leary nicht, wie er am Montag erklärte. In Europa waren die Ticketpreise zuletzt unter anderem wegen der Pleite von Air Berlin gestiegen.

mit Nachrichtenagenturen

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