Montag, 12. November 2018

Einigung im Tarifstreit mit deutschem Kabinenpersonal Ryanair fliegt in Kürze aus der Streikzone

Flugzeuge des Billigfliegers Ryanair auf dem Flughafen Weeze

Der monatelange Verdi-Kampf um bessere Bedingungen für das deutsche Ryanair-Flugpersonal ist vorüber - und damit wohl auch Streiks und Flugausfälle für die deutschen Fluggäste: Die irische Billig-Airline Ryanair Börsen-Chart zeigen hat sich nach eigenen Angaben mit der Gewerkschaft Verdi bei den Tarifverhandlungen für ihr deutsches Kabinenpersonal geeinigt. Das teilte Ryanair mit.

Verdi erklärte, es gebe eine "Vorvereinbarung zu einem Tarifvertrag". Einer Verdi-Sprecherin zufolge vereinbarten die Tarifparteien wichtige "Eckpunkte" wie die Anwendung von deutschem Arbeitsrecht, Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Gehaltserhöhungen sowohl für die festangestellten Kabinenbeschäftigten als auch für Leiharbeitnehmer.

Die Vereinbarung würde gegenwärtig mit den Verdi-Mitgliedern bei Ryanair diskutiert. Daher werde eine Entscheidung erst nach Befragung der Mitglieder am 13. November erfolgen. Mit der Vereinbarung könnten aber erstmals Absicherungen bei Versetzungen, Abfindungen und Wiedereinstellungen in einem Sozialplan geregelt werden. Problematisch ist laut Verdi nach wie vor, dass Ryanair keine Betriebsräte zulasse.

Tarifkonflikt bescherte Ryanair hunderte Flugausfällen

Teile des Kabinenpersonals hatten zuletzt im September in mehreren europäischen Ländern - auch in Deutschland - die Arbeit niedergelegt. Verdi hatte den Ausstand mit dem nach ihrer Ansicht unzureichenden Angebot Ryanairs begründet. Die Gewerkschaft wollte deutlich höhere Einkommen in einem Tarifvertrag festlegen und forderte Arbeitsbedingungen nach deutschem Recht.

Der Streik hatte in Deutschland vor allem den Berliner Flughafen Schönefeld getroffen. 52 von 92 Starts und Landungen mussten gestrichen werden.

Bei einer vorangegangenen Streikwelle ähnlicher Dimension im August hatte Ryanair europaweit rund 400 Flüge aus dem Programm mit täglich mehr als 2400 Verbindungen genommen. In Deutschland waren damals 150 abgesagte Flüge betroffen.

Ryanair ist der größte Billigflieger Europas. Die einheitlichen Boeing 737-Maschinen fliegen mehr als 215 Flughäfen in 37 Ländern an und operieren von 86 Basen in Europa und Nordafrika. Zwar litten die Gewinne des Unternehmens litten zuletzt unter Streiks und Rassismusvorwürfen - der Billigflieger ist aber dennoch weiterhin hochprofitabel.

Laut eigenen Angaben beschäftigt Ryanair rund 14 500 Menschen. Im Geschäftsjahr 2017/2018 machte das Unternehmen bei 7,15 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro

wed/dpa/afp

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