Montag, 20. August 2018

Cockpit droht ultimativ mit Ausstand Deutsche Ryanair-Piloten wollen streiken

Ryanair-Maschine im Anflug auf Flughafen Frankfurt

Beim Billigflieger Ryanair stehen weitere Streiks an. Die in Deutschland stationierten Piloten stimmten am Montag abschließend einem Arbeitskampf zu, um höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Eine letzte Frist soll Ryanair aber noch bekommen.

In der Ferienzeit drohen dem irischen Billigflieger Ryanair weitere Streiks der Piloten. "Wir geben Ryanair eine allerletzte Frist bis zum 6. August 2018, um doch noch ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen", sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei der deutschen Vereinigung Cockpit (VC), am Montag.

Ryanair habe in den seit Januar laufenden Verhandlungen auf Zeit gespielt. "Wenn nun auch das Signal der Urabstimmung nicht ernst genommen wird, sind Streiks - wie auch in anderen europäischen Ländern - unvermeidlich."

In einer Urabstimmung über den Manteltarifvertrag (MTV) und den Vergütungstarifvertrag (VTV) für die Piloten der Ryanair Börsen-Chart zeigen haben sich nach Gewerkschaftsangaben 96 Prozent für einen Ausstand ausgesprochen.

Streiks würden aus Rücksichtnahme auf die Passagiere mindestens 24 Stunden vorab angekündigt. Am 8. August will die Vereinigung Cockpit sich auf einer Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen bei Ryanair äußern.

Das irische Unternehmen sieht sich seit Wochen den Streiks verschiedener Gewerkschaften in unterschiedlichen Märkten ausgesetzt. Mehrere Hundert Flüge mit zusammen mehr als 100.000 betroffenen Passagieren wurden bereits abgesagt. Zuletzt legten die Piloten in Irland sowie die Flugbegleiter in Spanien, Portugal, Belgien und Italien die Arbeit nieder. Die irischen Flugzeugführer haben für diesen Freitag (3. August) einen vierten Streiktag angekündigt.

Ryanair-Chef Michael O'Leary zeigte sich in dem Konflikt zuletzt unnachgiebig und erhöhte zugleich den Druck auf streikende Mitarbeiter: Der irische Billigflieger werde seine Passagiere nicht für Flugausfälle und -verspätungen infolge des aktuellen Streiks entschädigen. Aufgrund der "außergewöhnlichen Umstände" werde sie nichts bezahlen, hatte O'Leary am vergangenen Donnerstag mitgeteilt.

Nach EU-Recht ist laut Ryanair keine Entschädigung fällig, wenn "die Gewerkschaft unangemessen und völlig außerhalb der Kontrolle der Fluggesellschaft handelt". Ob dem so ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Mit der Begründung versucht O'Leary aber den berechtigten Unmut Zehntausender Fluggäste auf die Beschäftigten umzuleiten. Fluggasthelfer-Portale kritisierten die Haltung der Airline daher auch als inakzeptabel.

rei/reuters/dpa

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