Dienstag, 23. Januar 2018

Aktien verlieren zweistellig - 5 Milliarden Euro Börsenwert vernichtet Innogy senkt Prognose, RWE bricht ein

RWE, Ökostromtochter Innogy: Probleme in Großbritannien

Das seit Jahren schwächelnde Strom- und Gasgeschäft in Großbritannien hat einmal mehr die Bilanz der RWE-Ökostromtochter Innogy verhagelt. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde 2017 bei 4,3 Milliarden Euro liegen statt der bislang angepeilten 4,4 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Das bereinigte Ebit werde mit 2,8 Milliarden Euro ebenfalls um rund 100 Millionen Euro niedriger ausfallen als angepeilt. Die Aktie brach daraufhin um acht Prozent ein.

"Dies ist vor allem auf das weiterhin schwierige Marktumfeld im britischen Vertriebsgeschäft zurückzuführen", begründete Innogy die Prognosesenkung. Die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen reichten nicht aus, um negative Markteffeke auszugleichen. Auf Konzernebene kämen unter anderem höhere Kosten für die Digitalisierung hinzu. Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis werde wie geplant bei über 1,2 Milliarden Euro liegen.

Joint Venture soll Probleme in Großbritannien lösen

Der Konzern kämpft seit Jahren in Großbritannien mit Abrechnungsproblemen und Kundenschwund. Vor zwei Jahren war bereits das Management ausgetauscht worden.

Unter dem Strich habe Innogy auf der Insel in den ersten neun Monaten rund 100.000 Strom- und Gaskunden verloren, berichtete Finanzchef Bernhard Günther in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz. Die Gesamtzahl liege bei rund fünf Millionen. Viele hätten nur mit günstigeren Tarifen bei der Stange gehalten werden können.

Innogy will nun das Vertriebsgeschäft auf der Insel in ein Joint Venture mit dem Konkurrenten SSE einbringen. Im kommenden Jahr erwartet Innogy im Gesamtkonzern ein bereinigtes Ebit von 2,7 Milliarden Euro, was ein Rückgang von 100 Millionen gegenüber 2017 wäre. Das bereinigte Nettoergebnis werde mit über 1,1 Milliarden Euro ebenfalls um diese Differenz zurückgehen.

RWE hält an Zielen fest - Aktie stürzt dennoch ab

Nach der Prognosesenkung des Versorgers Innogy hält der Mutterkonzern RWE an seinen Zielen fest. "Wir bestätigen die Prognose für 2017", sagte eine RWE-Sprecherin am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Es bleibe auch bei der geplanten Dividende für 2017 und den Dividendenzielen für die beiden folgenden Jahre. RWE Börsen-Chart zeigen hält noch knapp 77 Prozent an Innogy.

Die Mitteilung löste einen dennoch sowohl bei Innogy als auch bei RWE Börsen-Chart zeigen einen massiven Kursrutsch aus. Innogy-Papiere verloren zeitweise fast 14 Prozent, RWE-Aktien brachen um zwölf Prozent ein.

Dabei wurden bis zum Handelsschluss in Deutschland Börsenwerte von insgesamt knapp 5 Milliarden Euro bei den beiden Energie-Unternehmen RWE und Innogy vernichtet. Auch der Konkurrent Eon Börsen-Chart zeigen ist in Großbritannien vertreten, die Eon-Aktie gab rund 6 Prozent nach.

la/dpa/reuters

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