Mittwoch, 1. Juni 2016

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Rückzug der Deutschen Annington Deutscher Börsenfrühling scheint schon wieder vorbei

Wohnsiedlung der Deutschen Annington in Gelsenkirchen: Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben

Eigentlich sollte 2013 das Jahr der Börsengänge werden. Inzwischen jedoch ist klar: Der Marsch aufs Parkett ist kein Selbstläufer mehr. Der Rückzieher des Immobilienkonzerns Deutsche Annington könnte den deutschen IPO-Markt bereits jetzt in Winterstarre bringen.

Frankfurt am Main - Auf den ersten Blick stimmte alles beim geplanten Börsengang des Wohnungsunternehmens Deutsche Annington: Immobilien, Aktien sowie Unternehmen aus Deutschland sind bei vielen Anlegern weltweit derzeit so beliebt wie lange nicht mehr. Konnte also überhaupt noch etwas schiefgehen, wo doch Annington alle drei Voraussetzungen für ein erfolgreiches Debüt erfüllt?

Es konnte.

Kurz vor Mitternacht verschob der Konzern aus Bochum seinen Börsengang auf unbestimmte Zeit. Dabei wollte der Konzern doch dringend die Erlöse aus einem IPO dazu nutzen, um Schulden abzubauen. Zu wenige Aktien hatte Annington losschlagen können, auch eine Reduzierung des Emissionsvolumens von den ursprünglich rund 1,2 Milliarden auf 650 Millionen Euro hätte daran nichts geändert, wie es in Finanzkreisen heißt.

Das Unternehmen selbst begründete die Absage mit "den anhaltend ungünstigen Marktentwicklungen", im Klartext: der Unsicherheit an den Finanzmärkten wegen der Euro-Schuldenkrise. Nach Ansicht von Experten ist das freilich nur die halbe Wahrheit: Anningtons Geschäftsmodell biete kaum Fantasie, größere Übernahmepläne gebe es nicht, und die rund 180.000 Wohnungen mittlerer Qualität seien fast voll vermietet, hatten Fondsmanager zuletzt gemäkelt.

Komme nach der Bundestagswahl im Herbst auch noch die von fast allen Parteien diskutierte Mietpreisbremse, werde das ohnehin geringe Potential für Mieterhöhungen - und damit für Fantasie in der Aktie - noch begrenzter.

Kion, LEG, Annington: Der Börsenfrühling ist schon wieder vorbei

Der geplatzte Börsentraum ist der nächste Rückschlag für den deutschen Aktienmarkt, der noch vor kurzem so hoch wie nie notierte, seit Mitte Mai aber auf Talfahrt ist. Erst vergangene Woche hatte Europas größter Gabelstablerkonzern Kion Börsen-Chart zeigen nur mit einem Gewaltakt den Sprung aufs Parkett geschafft.

Die Eigentümer, die Finanzinvestoren KKR Börsen-Chart zeigen und Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, mussten die Aktien zum niedrigsten Preis der Ausgabespanne anbieten - und dennoch fiel die Aktie prompt unter Ausgabekurs. Die Eigentümer des Verlagshauses Springer Science, das lange Zeit ebenfalls als sicherer Kandidat für ein Initial Public Offering (IPO) gehandelt wurde, entschieden sich in letzter Minute lieber für einen Verkauf an eine weitere Beteiligungsgesellschaft.

Damit ist klar: Der von vielen herbeigesehnte Börsenfrühling an Deutschlands Börsen ist überraschend schnell wieder vorbei. Sechs Jahre lang hat es hierzulande kaum große IPOs gegeben, schuld daran waren die Finanzkrise und die damit einhergehenden großen Schwankungen an den Märkten. 2012 allerdings hatten die Aktienmärkte weltweit gewaltig zugelegt, auch und vor allem dank der Notenbanken, die mit ihrer Politik des billigen Geldes die Eurokrise in den Griff zu kriegen schienen.

Anfang Mai dann stieg der Deutsche Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen kurz vor seinem 25. Geburtstag auf ein Rekordhoch bei mehr als 8200 Punkten, die ersten Propheten sahen schon bald die Marke von 10.000 Punkten fallen. Seither freilich geht fast nichts mehr. Vor allem aus Furcht vor steigenden Leitzinsen in den USA und einem Kollaps des chinesischen Finanzsystems ist die Nervosität zurück, das Krisengespenst geht wieder um. Binnen sechs Wochen hat das hiesige Börsenleitbarometer Dax fast 10 Prozent an Wert verloren.

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